Kolumne: Zerstört das Reboot das “DuckTales” meiner Kindheit?

“Ich werde das neue DuckTales nicht gucken, weil das doof gezeichnet ist und mir das DuckTales meiner Jugend kaputt macht!”

~Ein gewöhnlicher User~

Oben genannter Satz ist natürlich überspitzt und konstruiert, fasst er doch gleich zwei “Kritikpunkte” zusammen. Dennoch wird er zumindest in seinen Teilen so oft herangezogen, dass ich mittlerweile mit Onkel Dagobert um den Titel, reichster Mann der Welt weiteifern könnte, würde ich dafür jedes Mal 10 Euro bekommen, wenn ich die Teile lese (auch hier überspitze ich natürlich und es lässt sich auch auf viele andere Beispiele übertragen). Dabei werden diese Aussagen oft verwendet, um “Argumente” gegen die neue DuckTales-Serie zu haben. Aber sind das eigentlich valide Argumente? (SPOILER: Hier habe ich das Wort nicht umsonst in Anführungszeichen gesetzt.) Ich möchte versuchen, auf diese Punkte einzugehen. Ich habe auch den Begriff Kritikpunkte weiter oben nicht ohne Grund in Anführungszeichen gesetzt.

Die Originalserie aus 1987: DuckTales - Neues aus Entenhausen
Die Originalserie aus 1987: DuckTales – Neues aus Entenhausen

Die erste Aussage lautet also: Das neue DuckTales ist nicht gut gezeichnet. Okay, hold my Blubberlutsch! Zunächst einmal kann man das niemals verallgemeinern, denn hier spielt der persönliche Geschmack wohl die größte Rolle. Betrachtet man das objektiv nüchtern und handwerklich, ist es (wie man es von Disney gewohnt sein kann) durchaus sehr gut gezeichnet, bzw. animiert. Dass man sich optisch vom Vorgänger entfernt, ist aus meiner Sicht dabei allerdings nur konsequent. Ich kenne Leute, die sagen: “Ich habe das neue DuckTales geschaut, der Zeichenstil (Animationsstil) nimmt mich allerdings so raus, dass ich das nicht gucken kann.” Okay, das ist natürlich legitim. Dann hat man sich allerdings immerhin mit der Serie beschäftigt. Jedoch ist das nicht die Schuld der Serie, noch erfüllt es die Tatsache, dass sie schlecht gezeichnet sei, sondern es ist – wie ich oben schon anklingen ließ – lediglich eine Aussage des eigenen Geschmacks. Wälzt man das auf die Macher ab, macht man es sich meiner Meinung nach zu einfach (auch ich erwische mich selbst dabei hin und wieder, keine Sorge). Oftmals wird das Argument hingegen aber einfach präventiv angewendet, damit man sich gar nicht erst mit der Serie beschäftigen muss. Es passt eben einfach nicht in die Sehgewohnheit, die DuckTales aus 1987 erzeugt hat, Basta! Man hat höchstens den Trailer gesehen oder (noch fahrlässiger) gerade mal ein Promobild und bildet sich daraus dann bereits seine endgültige Meinung über das Werk – und vorverurteilt sie somit. Das passiert sogar Experten, wie dem YouTuber Ren Kühn in seinem Kanal “Serienflash” (dazu komme ich aber gleich nochmal).

Natürlich soll ein Trailer Interesse an dem Werk wecken, ein Promobild genauso. Aber keines davon ist darauf ausgelegt, das Werk in seiner Gänze widerzuspiegeln. Ich gebe zu, auch ich war bei dem ersten Blick auf ein Promobild von DuckTales 2017 skeptisch. Ähnlich erging es mir zuvor bei den neuen Micky Maus Shorts und danach bei der Serie “Chip und Chap: Das Leben im Park”. An der Stelle hätte ich es mir einfach machen und diese Serien für mich abhaken können – und hätte dadurch glatt drei sehr gute Disney-Serien verpasst. Bei “Chip und Chap: Das Leben im Park” zeigte das ursprüngliche Promobild übrigens noch einen gänzlich anderen Zeichenstil als den, den wir dann letztlich in der Serie sehen konnten – just saying.

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Tatsächlich ergibt der Stilbruch in allen Fällen Sinn, denn er passt zur jeweiligen Serie. Im Fall der Micky Maus Shorts parodiert man damit einerseits die früheren Cartoons von Micky & Co. und zeigt andererseits auf, wie diese womöglich aussähen, würden sie heute erstveröffentlicht. Zudem besinnt man sich in diesen Cartoons der Disney-Historie und beäugt diese durchaus augenzwinkernd, indem man sich selbst nicht zu ernst nimmt, was sich eben auch im frecheren Zeichenstil ausdrückt.

Bei “Chip und Chap: Das Leben im Park” erleben wir eine weitere Interpretation der beliebten Streifenhörnchen. Das war jedoch bereits bei “Chip und Chap – Die Ritter des Rechts” der Fall, der Ahörnchen und Behörnchen in ein komplett neues Setting einbettete. In “Chip und Chap: Das Leben im Park” entschied man sich, die beiden wieder tierischere Abenteuer in ihrem natürlichen Umfeld erleben zu lassen, nur hat man sich hier einer dynamischeren Erzählung bedient, die in erster Linie ein heute junges Publikum ansprechen soll. Dabei besinnt man sich hierbei sogar darauf, dass Chip & Dale (so heißen die beiden im Original) in ihrem allerersten Cartoon noch gar nicht sprachen. In der Neuauflage kommen die Cartoons oftmals ohne Worte aus. Wenn sich die Tiere verständigen, sprechen sie eine Fantasiesprache, die durch ihre Betonung und die Gestik der Tiere das ausdrückt, was diese zu sagen haben. Der Erfolg gibt Disney und der französischen Produktionsfirma Xilam Recht: Wir bekommen eine zweite Staffel von “Chip und Chap: Das Leben im Park”.

Das 2017er Reboot von Disney XD: DuckTales
Das 2017er Reboot von Disney XD: DuckTales

Bei DuckTales 2017 heben sich Zeichenstil und Figurendesign an einigen Stellen sehr deutlich von der Originalserie ab. Letzteres kann man schon bei Tick, Trick und Track sehen, die hier eine weitere Individualisierung bekommen. Dieses Stilmittel gab es aber ebenfalls schon, und zwar in der Serie “Quack Pack”. Diese Änderungen betrachte ich als sinnvoll, denn nicht nur die Erzählung ist eine andere, in der man auf Charakterentwicklung achtet. Auch das Tempo ist deutlich angezogen. Genau das wird durch den dynamischeren, aber auch etwas kantiger wirkenden Stil super illustriert. Zu der Erkenntnis kann man allerdings nur gelangen, wenn man sich mit der Serie auseinandersetzt und auch nur dann kann man final einschätzen, ob die Serie den eigenen Geschmack bedient. Ich höre (oder lese) das tatsächlich immer wieder: “Erst war ich skeptisch, aber dann habe ich die Serie geschaut und finde sie richtig toll.”

Ich muss dazu sagen, dass Stilwechsel bei Zeichnungen für mich nichts neues sind. Als jahrzehntelanger Comicleser habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass bei Serie XY sowohl Autoren als auch Zeichner wechseln – bisweilen innerhalb einer Storyline. Auch innerhalb einer TV-Serie kann man so etwas beobachten, nicht (so häufig) mit dem Auswechseln der Darsteller (was aber tatsächlich auch schon mal vorkommen kann, wenngleich dann die Gründe andere sind) oder dem Ändern des Zeichenstils (ein Beispiel für eine Ausnahme hier ist die Zeichentrickserie “American Dragon”, die zwischen ihren beiden Staffeln den Stil sehr auffällig wechselte), sondern viel offensichtlicher durch die Beteiligung verschiedener Autoren.

Erfüllt eine Fortsetzung, oder im Fall von DuckTales eine Neuinterpretation (egal ob durch Vorverurteilung oder durch tatsächliches Konsumieren) nicht die Erwartungen des Rezipienten, wird oft das zweite “Argument” des eingangs zitierten Satzes bemüht. Es wird etwas zerstört, entweder die eigene Kindheit oder gleich die kompletten Figuren (die vorverurteilende Clickbait-Überschrift des oben erwähnten Youtubers lautete “Disney Plus zerstört Chip & Chap”). Diese Behauptung ist meiner Ansicht nach – um es mit Dagobert zu sagen – Humbug. Nicht das neue Werk, das sich in irgendeiner Form auf alte Werke bezieht oder auf bestehenden Figuren basiert, macht das Original, oder vielmehr die Erinnerung daran, kaputt, sondern – wenn überhaupt – der Rezipient für sich selbst. Denn: Zunächst und in allererster Linie richtet man sich mit einer Neuinterpretation an ein ganz anderes Publikum, nämlich die heutige Zielgruppe. Das ist ein anderes Publikum als das damalige, es verfügt einfach über andere Sehgewohnheiten. Und: Das originale Werk besteht (in den allermeisten Fällen) weiterhin und kann – heute durch die Streamingdienste noch viel einfacher als früher – jederzeit erneut konsumiert werden. Es ist nicht zerstört, sondern – Überraschung – weiterhin verfügbar. Am Beispiel von DuckTales: mit der neuen Auflage von 2017 hat Disney die Serie aus 1987 nicht aus den Archiven genommen und restlos vernichtet oder hat gar Agenten losgesendet, noch bestehende Medienträger zu finden und zu zerstören. Ganz im Gegenteil: die Originalserie ist bei Disney+ verfügbar (in Deutschland war die Originalserie “DuckTales” mit Start des Dienstes sogar vor der Neuauflage verfügbar).

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Der oben konstruierte Satz spiegelt, wie der aufmerksame Leser festgestellt haben dürfte, ganz und gar nicht meine Meinung wider. Ich liebe das neue DuckTales von 2017 UND ich liebe das alte Ducktales von 1987. Letzteres hat mich stärker mit Disney verknüpft. Das neue DuckTales kann dafür sorgen, dass die Kinder von heute zu Disney-Fans werden, so wie es mit der Originalserie bei vielen Kindern meiner Generation der Fall gewesen sein dürfte. Es zeigt einen weiteren Ansatz der Geschichten aus Entenhausen. Zudem bietet es viele Anspielungen und Gastauftritte für Fans der Disney Afternoon Serien jener Zeit und bietet somit auch für diese einen umfangreichen Mehrwert für die alten Fans, der allerdings entdeckt werden will. Crossover mit Darkwing Duck, Goofy und Kid Wolkenflitzer sind dabei echte Highlights, aber auch weitere Stars aus dem Disney Afternoon – Programm tummeln sich in diesem erweiterten Universum. Im Endeffekt ist eine Neuinterpretation immer auch nur ein zusätzliches Angebot an die alten Fans. Die Kunst liegt darin, ob man dem gegenüber offenbleibt und bereit ist, sich darauf einzulassen. Ich gehe so weit, zu behaupten, dass dogmatisches Ausschließen von neuen Interpretationen verhindern kann, dass man als Erwachsener immer noch begeisterungsfähiger Disney-Fan ist. Das Erhalten dieser Begeisterungsfähigkeit ist das, was ich darunter verstehe, wenn man sagt: “Ja, ich bin erwachsen, aber ich erhalte auch das Kind in mir.”

Dass es die dritte Staffel von DuckTales 2017 noch immer nicht auf Disney+ gibt, prangere ich im Übrigen an!

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