Disneyland Paris History Teil 4: Von der Erde zum Mond und zum zweiten Themenpark

Zu behaupten, Disneyland Paris hätte einen schweren Start gehabt, grenzt an Untertreibung. Der Park war kurz vor dem Bankrott gestanden. In der öffentlichen Wahrnehmung hatte Disney einen schweren Imageschaden erlitten. Nachdem 1994 die finanzielle Lage des Resorts soweit gesichert war, dass man überhaupt weiter geöffnet bleiben konnte, musste ein Neustart her.

Dieser kam mit einem Knall: Am 1. Juni 1995 eröffnete „Space Mountain – De la Terre à la Lune“. Die neue Mega-Attraktion überzeugte mit Technik, Thema, Action und einem mitreissenden Soundtrack – damals ein echtes Novum für Achterbahnen. Die Eröffnung war ein glanzvoller Abend mit weltbekannten Stars wie Elton John und dem Apollo-Astronauten Buzz Aldrin, der als einer der ersten Menschen auf dem Mond stand. Eine große Werbekampagne rollte über Europa, einschließlich beeindruckendem TV-Spot und Spielzeug in McDonald’s Happy Meals (damals in Deutschland noch als „Juniortüten“ bekannt).

Deutscher Werbe-Spot für “Spacee: De la Terre à la Lune”, 1995

Disneyland Paris verdient Geld

Wenige Wochen später überraschte Euro Disney S.C.A. am 25. Juli 1995 mit den ersten positiven Quartalszahlen in seiner Geschichte und ein Gewinn von 35,3 Millionen US-Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr 1995 stand nach Kredittilgung ein Gewinn von knapp 23 Millionen Dollar. Ein bedeutendes Zeichen, dass Disney in Europa Geld verdienen konnte. 

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Gleichzeitig sprangen die Besucherzahlen in die Höhe: Hatten diese 1994 auf einem Rekordtief von rund 8,8 Millionen gelegen, kletterten diese 1995 auf 10,7 Millionen. Angetrieben von „Space Mountain“, neuen Shows und saisonalen Events sowie Werbekampagnen, die deutlich besser den europäischen Geschmack trafen, besuchten 1997 schließlich 12,6 Millionen Menschen Disneyland Paris. Auch die Hotelauslastung, die in den Anfangsjahren so sehr zum Misserfolg des Resorts beigetragen hatte, stieg stetig. Das Resort begann Tritt zu fassen und auch wenn der Weg dahin noch weit sein sollte, schwand Stück für Stück (sehr) langsam das Stigma des Fehlschlags in der öffentlichen Wahrnehmung.  

Im Hintergrund ragte jedoch weiterhin ein gewaltiger Schuldenberg. Banken und die Walt Disney Company hatten sich auf weitreichende Kompromisse geeinigt, um das Resort am Leben zu erhalten. So verzichtete Disney für mehrere Jahre unter anderem auf Management- und Lizenzgebühren für seine Marke und Figuren. Euro Disney selbst hatte teils schmerzhafte Einschnitte umgesetzt, um die Betriebskosten niedrig zu halten – darunter auch bei Pflege und Instandhaltung seines Parks und der Hotels, was das Resort langfristig teuer zu stehen kommen sollte.

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Phase II kommt ins Rollen

Ende der 1990er Jahre hatte sich die Lage für Disneyland Paris soweit stabilisiert, dass Disney die lange verschobene zweite Phase seiner Pläne angehen konnte: Mit Val d’Europe begann Euro Disney gemeinsam mit dem französischen Staat sowie den Kommunen vor Ort eine neue Stadt zu errichten. In den umliegenden Gemeinden entstanden neue Wohn- und Gewerbegebiete, Schulen und Freizeiteinrichtungen sowie teilweise ganz neue Dorfkerne – sehr schön am Beispiel Bailly-Romainvilliers zu sehen. Einer der bedeutendsten Bausteine war die Eröffnung des Einkaufszentrums im Herzen der neuen Stadt im Oktober 2000. Im April 2001 wurde der eigene RER-Bahnhof Val d’Europe / Serris / Montevrain eingeweiht. Eine Außenstelle der Universität Marne-la-Vallée begrüßte ihre ersten 900 Studierenden im November 2002. Konsequent verfolgten alle Partner das Ziel, in den nächsten 20 Jahren eine neue Stadt für rund 40.000 Einwohner zu schaffen.

Daneben stand für Euro Disney die Weiterentwicklung des Resorts. Vertraglich hatte man sich 1987 dazu verpflichtet, weitere Hotels und vor allem einen zweiten Themenpark zu errichten. Ansonsten drohte das entsprechende Land einer anderen Nutzung zuzufallen. Euro Disney hatte jedoch nur sehr begrenzte finanzielle Mittel, saß man doch weiterhin auf diesem gewaltigen Schuldenberg der Anfangsjahren. Neue Hotels wurden daher mit externen Partnern entwickelt – erkennbar an dem damals entstandenen und bis heute kontinuierlich erweiterten Hotel-Cluster um den kleinen See im sogenannten „Val de France“, östlich von Disney’s Hotel Santa Fé. 

Statt eines zweiten Themenparks erwog Disney im weiterhin unterentwickelten Disneyland Park neue Attraktionen zu errichten. Hier hätte man bestehende Infrastruktur nutzen und das Angebot des Parks erweitern können. Der Entschluss, schließlich einen zweiten Themenpark zu errichten, kam maßgeblich aus den vertraglichen Verpflichtungen mit dem französischen Staat. Gleichzeitig hoffte man wohl, mit einem zweiten Park auch die Verweildauer und damit Auslastung der Hotels zu erhöhen – ähnlich wie es in Walt Disney World gelungen war. Am 29. September 1999 kündigte Euro Disney den Bau der „Disney Studios“ an.

Werbemotiv für die Walt Disney Studios, 2002

Licht! Kamera! Flop!: Walt Disney Studios Park

Die einstigen Pläne für einen „Disney-MGM Studios“-Park, wie ihn Disney ursprünglich noch Anfang der 90er Jahre bauen wollte, schienen nun zu ambitioniert – und zu teuer. Dieser Park hätte auch ein echtes Studio mit zahlreichen Filmateliers sein sollen, in denen tatsächlich Spielfilme gedreht und Trickfilme animiert worden wären. Ein Konzept, das allerdings sehr schnell auch in den Disney-MGM Studios in Florida nicht aufging. So begrub man diese Pläne. Einzelne Elemente, wie eine überdachte „Main Street“ in einem idealisierten Studio-Bau, übernahm man zwar, doch der neue Park sollte deutlich bescheidener ausfallen.

Oder konkreter ausgedrückt: Er wurde zum Desaster.

Am 16. März 2001 eröffnete der Walt Disney Studios Park in Paris
Eröffnung der Walt Disney Studios mit Roy E. Disney, Michael Eisner und dem damaligen Euro Disney Chef Jay Rasulo – sowie Micky und Gang. © Disney

Der Walt Disney Studios Park eröffnete am 16. März 2002 – knapp vor dem zehnjährigen Geburtstag von Disneyland Paris. 600 Millionen Dollar, so hieß es, habe Disney investiert. Wobei es schwer fiel zu sagen, wo genau dieses Geld verbaut wurde. Nicht mal eine Handvoll Attraktionen bekamen die Besucher geboten. Es gab nur wenige Restaurants und – für Disney fast erstaunlich – auch nur wenige Geschäfte. Der größte Sündenfall war jedoch die Tatsache, dass die Walt Disney Studios schlicht und ergreifend kein Themenpark waren. Auf einer weiten Fläche standen einige verloren wirkende Gebäude. Die Atmosphäre war ernüchternd. 

Wie hatte das passieren können? Sicher: Euro Disney hatte nachvollziehbar nur eingeschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung. Die Entwicklung der Walt Disney Studios fiel aber auch in eine Periode in der Geschichte der Walt Disney Company, in der das Interesse für Imagineering und aufwändig gestaltete Attraktionen arg abgekühlt war. Das führte weltweit zu enttäuschenden Park-Projekten wie Disney’s California Adventure (2001) und Hong Kong Disneyland (2005). Die Walt Disney Studios in Paris waren da der Gipfel dieser katastrophalen Entwicklung.

WDS Park Map 2002
Parkplan des Walt Disney Studios Park im Eröffnungsjahr 2002 © Disney

Krise 2.0

Nun war es nicht so, dass die Studios völlig ohne Highlights dastanden: Die Show „CinéMagique“ war ein aufwendig produzierter und liebevoll inszenierter Liebesbrief ans Kino. Die „Moteurs… Action!“-Stuntshow entwickelte ihr Genre mit spektakulären Auto-Stunts weiter. Doch das alles war viel zu wenig, um den Park zu retten. Das Urteil der Gäste war vernichtend. Besucherzahlen blieben weit hinter Disneys Erwartungen zurück. In der Tat zog das (mittlerweile erneut umbenannte) Disneyland Resort Paris mit zwei Parks kaum mehr Besucher und Besucherinnen an als zuvor mit nur einem Park. Kamen 2001 über 12 Millionen Menschen nach Disneyland Paris waren es 2002 gerade mal eine Millionen mehr. 

Die Walt Disney Studios waren kreativ wie finanziell ein riesiger Flop – der das ganze Resort erneut in starke wirtschaftliche Schwierigkeiten warf. In einer fast schon pervers-ironischen Wiederholung der Geschichte eröffnete der zweite Park auch noch wie der erste in einer Wirtschaftskrise: Nach Platzen der sogenannte Dotcom-Blase sowie der weltweiten Verunsicherungen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war die Konjunktur auch in Europa deutlich abgekühlt. Die Arbeitslosenzahlen stiegen wieder.

Das erschwerte sicherlich die Situation, die sich Disney jedoch größtenteils selbst eingebrockt hatte. Um aus diesem Loch zu kommen, bedurfte es wieder einiger harter Schritte – die teilweise uns heute und in Zukunft noch beschäftigen. 

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Mehr davon im letzten Teil unserer Geschichte…   

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