DLP History Teil 5: Der lange Weg nach Oben

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Die bisherigen Teile der DLP History Serie:

Mit der Eröffnung der Walt Disney Studios am 16. März 2002 hatte sich Disneyland Resort Paris ganz neue Schwierigkeiten eingehandelt: Der Park war zu klein und es mangelte an Thematisierung und Attraktionen. Hinzu kam eine wirtschaftliche Abkühlung und steigende Arbeitslosenquote in ganz Europa. Besucherzahlen blieben weit unter den gesetzten Erwartungen. So geriet Disneyland Paris erneut in eine starke finanzielle Krise.

Euro Disney versuchte – soweit möglich – die Flucht nach vorne. Man begann erneut Kosten einzusparen, verständigte sich mit der Walt Disney Company auf einen Schuldenschnitt (was allerdings nicht die Schulden Euro Disneys bei verschiedenen Banken betraf) und brachte erneut Aktien an den Markt. Das schaffte frisches Geld heran, das man in eine Reihe neuer Attraktionen steckte.

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Bis zur Unendlichkeit … und noch viel weiter

Den Anfang machte Buzz Lightyear Laser Blast: Die Attraktion aus dem „Toy Story“-Universum ersetzte Le Visionarium in Discoveryland, das zwar viele begeisterte Fans hatte (und noch hat), aber in die Jahre gekommen war. Buzz Lightyear brach am 8. April 2006 erstmals zu seiner Mission gegen den Bösen Imperator Zurg auf.

Der große Aufschlag gelang 2007: Der 15. Geburtstag von Disneyland Paris war von einem breiten Angebot an Shows und einer brandneuen Parade flankiert. Am 9. Juni eröffnete in den Walt Disney Studios das Toon Studio mit Crush’s Coaster und Cars: Quatres Roues Rallye – übrigens dem ersten Fahrgeschäft basierend auf dem „Cars“-Franchise. Der Park veränderte von einem Tag auf den nächsten sein Gesicht. Plötzlich bildeten sich am Morgen große Menschentrauben vor den Drehkreuzen der Studios, um eingelassen zu werden und als eine der ersten auf Crush’s Coaster zu sein. Im Dezember 2007 folgte die Eröffnung des Twilight Zone Tower of Terror im Herzen der Studios. Eine erfolgreiche Marketing-Kampagne flankierte das Jubiläum, das gleich um ein Jahr verlängert wurde.

Disney's Once Upon a Dream Parade in Disneyland Paris
Die “Disney’s Once Upon a Dream Parade” startete 2007 zum 15. Geburtstag des Parks

Im Geschäftsjahr 2008 kletterten die Besucherzahlen für beide Parks erstmals über 15 Millionen. Euro Disney konnte endlich wieder schwarze Zahlen präsentieren, wenn auch auf niedrigem Niveau. Aber immerhin.

In den folgenden Jahre entwickelte sich das Resort stetig weiter: Neue Shows, Werbekampagnen, der Ausbau von Val d’Europe und die Eröffnung des Toy Story Playland im August 2010.

Bereits 2007 hatte Euro Disney mit seinem Partner Pierre et Vacances – Betreibergesellschaft der Center Parc Anlagen – die Villages Nature angekündigt, einen riesigen Ferienbungalow-Komplex im Südosten des Disney-Geländes. Es sollte allerdings einige Jahre dauern, bis alle Hürden bei Seite geräumt und das Budget von schätzungsweise rund 700 Millionen Euro gesichert war. Im Dezember 2014 legte der damalige französische Premierminister Manuel Valls den Grundstein für das ambitionierte Gemeinschaftsprojekt. Knapp drei Jahre später, am 1. September 2017, feierte die Anlage ihre Eröffnung.

Der lange Schatten des Schuldenberges

Seit der Beinahe-Insolvenz in den 90er Jahren war Euro Disney weit gekommen. Doch das Resort saß weiterhin auf einem gewaltigen Schuldenberg. Finanzielle Spielräume waren gering und der Betrieb der Parks und der Hotels stets von Budgetkürzungen eingeschränkt. Das blieb auch bei den Gästen nicht unbemerkt. Neue Attraktionen mussten erst von einer Schar an Banken und der Walt Disney Company bewilligt werden. Um Euro Disney etwas mehr Spielraum zu verschaffen, erließ die Walt Disney Company im September 2012 erneut Schulden in Höhe von 1,3 Milliarden Euro.

Während die Bauarbeiten bereits längst im vollen Gange waren, kündigte Euro Disney im März 2013 seine nächste Top-Attraktion an. Ratatouille: L’Aventure Totalement Toquée de Remy eröffnete gemeinsam mit dem brandneuen Place de Remy am 10. Juli 2014 in den Walt Disney Studios (nachdem der Bereich bereits einige Wochen vorher, am 21. Juni 2014, von Disney CEO Bob Iger feierlich eingeweiht worden war). Offiziell soll Euro Disney 150 Millionen Dollar in das neue Mini-Land gesteckt haben, manche Schätzungen gehen sogar von knapp dem doppelten aus. Das Fahrgeschäft und der neue Mini-Themenbereichen erwiesen sich schnell als Publikumsliebling. 

Ein trauriges Ereignis in der jüngsten französischen Geschichte hinterließ allerdings auch in Disneyland Paris seine Spuren: In Folge der Terroranschläge vom 13. November 2015 in Paris, bei denen 130 Menschen ums Leben kamen, schlossen die Parks vom 14. bis 17. November erstmals für mehrere Tage ihre Tore.

Die Walt Disney Company übernimmt

Die komplizierte Finanzstruktur des Resorts und der lähmende Schuldenberg verschwanden am 19. Juni 2017: The Walt Disney Company übernahm zu 100 Prozent Euro Disney, S.C.A.. Das europäische Disney Resort war nun eine reine Tochter des US-Mutterkonzernes. (Wobei das Management seit 1992 stets in den Händen der Walt Disney Company gelegen hatte.)

Nun fielen Management- und Lizenzgebühren weg. Noch entscheidender ist jedoch, dass die komplizierte Finanzstruktur des Unternehmens, bei der unterschiedliche Geldgeber mitsprachen, endlich wegfiel. Es schien, als bekäme Disneyland Paris die nötige Luft zum Atmen – und um sich weiterzuentwickeln.

Das bedeutete aber erstmal eine Reihe ein „Aufräumarbeiten“. Schon 2015 hatte Euro Disney einen ambitionierten Renovierungsplan ins Auge gefasst. Jahrelange Vernachlässigung auf Grund beschränkter finanzieller Spielräume hatten den Attraktionen und Hotels sowie der Infrastruktur des Resorts schwer zugesetzt. Über die nächsten Jahre sollten Stück für Stück Hotelzimmer, Fahrgeschäfte, Fassaden, Toiletten und vieles mehr erneuert werden. Große Neuheiten blieben dafür erstmal aus. 

Elsa, Anna, Olaf, Superhelden und Jedi-Ritter

Am 27. Februar 2018 kündigte Bog Iger bei einem Gespräch mit Frankreichs Präsidenten Emanuel Macron an, dass Disney in den nächsten Jahren über 2 Milliarden Euro in sein europäisches Resort stecken wolle. Der Löwenanteil dieses gewaltigen Budgets waren für eine Erweiterung des Walt Disney Studios Parks vorgesehen: Um einen See herum sollen Attraktionen zu „Frozen“ / „Die Eiskönigin“ und „Star Wars“ entstehen – wobei die Details dazu vage blieben. Der Backlot-Themenbereich mit dem Rock’n’Rollercoaster sollte zum Marvel-Land Avengers Campus werden, den man ursprünglich 2021 eröffnen wollte. Bis zu den Olympischen Spielen in Paris 2024 sollten die neuen Attraktionen Besucherinnen und Besucher begeistern. Gleichzeitig wollte Disney den Disneyland Park, die Hotels und vor allem das Disney Village weiterentwickeln. Erste Vorbereitungsarbeiten auf dem Gelände der Studios begannen.

So könnten die Walt Disney Studios in Paris in einigen Jahren aussehen: Mit See und Attraktionen zu Frozen, Star Wars und Marvel
Ein Blick in die Zukunft? So präsentierten die Imagineers 2018 die Zukunft des Walt Disney Studios Parks. © Disney
Avengers Campus in den Walt Disney Studios in Paris mit Spider-Man rechts, Pym's Test Kitchen links und dem Iron Man Rollercoaster ganz hinten
Der Avengers Campus, der den alten Backlot-Bereich der Studios übernimmt. Die Eröffnung ist nun voraussichtlich 2022. © Disney
Als erstes Miniland entlang des neuen Sees soll “Arendelle – The World of Frozen” eröffnen. © Disney

Corona und der Blick nach vorn…

Am 15. März 2020 schloss Disneyland Paris mit seinen Parks, den Hotels und dem Disney Village auf Grund der weltweit wütenden Corona-Pandemie. Am 15. Juli konnte der Betrieb eingeschränkt wieder aufgenommen werden. Doch am 30. Oktober zwangen nach oben schießende Krankheitsfälle zu einer erneuten Schließung. Aktuell liegt kein voraussichtliches Wiedereröffnungsdatum vor.

Die Parks und die Hotels werden sicher wieder öffnen. Eine Menge Fragen stellen sich aber im Augenblick: Was bedeutet die längere Schließung für die ehrgeizigen Erweiterungspläne des Resorts? Werden manche angekündigte Attraktionen gar nicht kommen? Wie ergeht es den tausenden von Cast Membern, die das Resort doch sonst täglich zum Leben erwecken? Von wie vielen wird sich Disney angesichts begrenzter Kapazitäten und der mit Corona-einhergehenden Wirtschaftskrise trennen müssen?

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Es wird weitergehen, das ist klar. Die Geschichte von Disneyland Paris ist eine lange, wilde Achterbahnfahrt. Mühsam aber stetig hat sich “unser” Disneyland immer mehr einen Platz im Bewusstsein seines Publikums erobert.

In diesem Jahr 2021 verschwindet nun Le Château de la Belle au Bois Dormant hinter Baugerüsten und Abdeckungen – um zu seinem 30. Geburtstag neu zu erstrahlen und in eine hoffentlich helle Zukunft zu weisen, wo wir weiter Piraten in der Karibik begegnen, in die Tiefen des Alls vorstoßen, mit Peter Pan nach Nimmerland fliegen, wo Superheldinnen und -helden die Welt retten und wo wir immer neue Erinnerungen an Momente mit lieben Menschen sammeln werden.

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