DLP History Teil 1: Wie Disneyland nach Europa kam

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In unserer neuen Reihe „Gastbeiträge“ wirft Tobias einen Blick auf die Standortsuche und -findung für das heutige Disneyland Paris.

Disney wollte nach Europa. Bereits Mitte der 70er Jahre äußerte der damalige Disney-Boss Card Walker diese Idee. Doch zuerst galt es, EPCOT Center zu verwirklichen. Und Tokyo Disneyland. Gleichzeitig rutschte Disney in eine ziemlich üble Unternehmenskrise an deren Ende zwei neue Chefs an der Spitze des Konzerns standen: Michael Eisner und Frank Wells.

Eisner und Wells schafften es, in wenigen Jahren Disney zurück auf die Erfolgsspur zu bringen – sowohl was Filme wie auch die Parks anging. Schon 1984, kurz nachdem Eisner und Wells die Führung übernommen hatten, nahm das Vorhaben an Fahrt auf, ein europäisches Disneyland zu errichten. Rund 2 Millionen Europäer besuchten bereits jährlich die amerikanischen Disney Parks. Europa war zudem ein wichtiger Markt für Disneys Filme, Comics und weitere Lizenzartikel. Für viele Europäerinnen und Europäer gehörten Micky Maus und Donald Duck zum eigenen Kulturgut. Der verhältnismäßig hohe Lebensstandard sowie die hohe Zahl an gesetzlich garantierten Urlaubstagen machte Europe für ein neues Disney Resort weiter attraktiv. Die erfolgreiche Eröffnung von Tokyo Disneyland 1983 hatte außerdem gezeigt, dass Disneys Parkkonzept auch außerhalb der USA funktionierte.

Michael Eisner und Frank Wells, © The Walt Disney Company

Über 1.200 denkbare Standorte nahm Disney in Europa unter die Lupe – unter anderem in Spanien, Frankreich, Großbritannien, Italien und West-Deutschland. Dabei spielten verfügbare Gelände und deren Topographie, mögliche Einzugsgebiete, Infrastruktur und Urlaubsverhalten eine entscheidende Rolle. (So sprachen gegen die betrachteten Standorte in West-Deutschland neben anderen Faktoren auch die ausgeprägte Neigung der West-Deutschen, ihren Urlaub im Ausland zu verbringen. In Frankreich ist zum Beispiel die Quote derer, die daheim urlauben, von jeher höher.)

Anfang 1985 waren vier mögliche Kandidaten übrig geblieben: zwei in Frankreich und zwei in Spanien. Gegen das südfranzösische Toulon sprachen trotz milden Klimas die schwierige Bodenbeschaffenheit, die zum Bau eines Themenpark-Komplexes als ungeeignet und zu kostspielig erachtet wurde. Im spanischen Alicante waren es die heftigen Mistral-Winde, die Disneys Enthusiasmus schwinden ließen.

Das Rennen sollte sich zwischen einem Standort südlich von Barcelona und einem Flecken östlich von Paris entscheiden…

Ein spanisches Disneyland?

Für Spanien sprachen eine Reihe sehr guter Argumente:

  • das Wetter
  • die Position als beliebtes Urlaubsziel
  • ein möglicher Standort direkt am Mittelmeer
  • eine sehr kooperative katalanische Regierung, die das Projekt unbedingt und um jeden Preis an Land ziehen wollte

Spaniens Infrastruktur ließ allerdings in den 80er Jahren noch deutlich zu wünschen übrig. So fehlte beispielsweise ein zusammenhängendes Autobahnnetz. Und der Standort war weit von den großen Bevölkerungszentren Mitteleuropas entfernt. Der Tourismus beschränkte sich hauptsächlich auf die Sommermonate – und tut es noch heute. Zudem schreckte Disney die gefühlte „Sackgasse“ der iberischen Halbinsel ab (eine Tatsache, die man Florida allerdings ebenso vorwerfen könnte…). 

Frankreich macht das Rennen

Paris versprach stattdessen im Schnitt 110 Regentage im Jahr, einen ungemütlicheren Winter und einen weniger zuvorkommenden Verhandlungspartner in Form der französischen Regierung.

Die Fläche in den Weizen- und Rübenfeldern östlich der französischen Hauptstadt verfügte jedoch bereits über eine hervorragende Verkehrsanbindung: Die Autobahn A4 grenzte an das vorgeschlagene Gelände, der internationale Flughafen Charles de Gaulle war nicht weit – und Frankreich sagte zu, die Pariser Regionalbahn RER auszubauen und den zukünftigen Park an das TGV-Schnellbahnnetz anzuschließen. Außerdem würde nach Eröffnung des Eurotunnels 1994 auch der Eurostar-Zug von London aus direkt das Euro Disney Resort ansteuern.

Die französische Regierung zeigte sich in den Verhandlungen zudem sehr erpicht darauf, den Pariser Osten zu entwickeln – mit neuen Wohngebieten, Industrie und wenn möglich einen Disney-Park als Touristenmagnet und wirtschaftlichen Motor. Die riesige Fläche von über 1.900 Hektar wurde Disney zu äußerst günstigen Preisen angeboten.

Schließlich sprach eine einfache Rechnung deutlich für Frankreich: Für den Park in Spanien erwartete man alles in allem etwa 6 Millionen Besucher jährlich – der Standort Paris versprach hingegen 11 bis sogar 17 Millionen Besucher! Allein in der Region Paris lebten mehr als 10 Millionen Menschen. Gleichzeitig war und ist die französische Hauptstadt eine der meistbesuchten Städte der Welt und zieht Millionen von Touristen an. Paris schien ideal im Herzen Europas zu liegen – nur wenige Stunden entfernt von weiteren Bevölkerungszentren wie London, den dicht besiedelten Niederlanden sowie den zahlreichen Großstädten entlang des Rheins.

Weniger als ein Jahr nachdem Eisner und Wells das „Go“ für das Projekt gegeben hatten fiel im Sommer 1985 die Entscheidung: das Euro Disney Resort mit Disneyland-Themenpark, Hotels, Golfplatz und einem Entertainment-Distrikt würde in Marne-la-Vallée entstehen. Am 15. Dezember 1985 unterzeichneten Disney’s CEO Michael Eisner und der französische Premierminister Laurent Fabius eine offizielle Absichtserklärung. Der Weg zu Europas Disneyland war geebnet.

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6 Antworten auf „DLP History Teil 1: Wie Disneyland nach Europa kam“

  1. Nicht schlecht. Ich könnte da noch einen eigenen Artikel darüber schreiben, wie die Eröffnung damals im Fernsehen zelebriert wurde 😀

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    1. Hey, nichts lieber als das!
      Die Gastbeitrag-Kategorie steht jedem frei – und ich finde das ist ein ganz besonderes und wichtiges Thema, das du da ansprichst. Lass uns also gerne drüber reden! 🙂

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