Disney-MGM Studios Europe: Ein Besuch in den ersten Studios für Paris

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Herzlichen Glückwunsch, Disneyland Paris!
Heute vor 29 Jahren öffnete „Euro Disneyland“ erstmals seine Tore. Zum Jubiläum blicken wir auf einen weiteren Teil der Geschichte des europäischen Disney-Resorts.

Mehr zur Geschichte von Disneyland Paris gibt es in unserer DLP History Serie.

Es hätte anders kommen können: Spätestens 1996 sollten direkt neben Euro Disneyland die Disney-MGM Studios Europe eröffnen – gerade mal vier Jahre nach dem Start des Euro Disney Resorts, so der Plan. Ein Park mit Ateliers, in denen tatsächlich Filme und Fernsehsendung gedreht worden wären. Ein Park, der Hollywood und europäisches Kino gleichermaßen feiern sollte. Ein Park mit viel Liebe zum Detail und einem raffinierten Blick hinter die Kulissen des Filmemachens. Ein Park doch sehr anders als die Walt Disney Studios…

Es wurde nichts daraus. Lasst uns in Gedanken durch Raum und Zeit in eine andere Realität reisen. Eine, in der Euro Disneyland vom ersten Tag an ein rauschender Erfolg ist und in der wir nun das Jahr 1996 erreicht haben und durch die Tore der Disney-MGM Studios Europe treten…

Logo für den Disney-MGM Studios Park im Euro Disney Resort
© Disney

Hollywood in Paris

Auf den ersten Blick erscheint uns einiges sehr vertraut: Die große Studio-Halle vor uns. Der Wasserturm mit den Micky-Ohren. Der Baustil, welcher an das alte Los Angeles und Walt Disney’s erstes Studio erinnert. Rechts von uns strömen die großen und kleinen Gäste von der Tram-Station herbei. Dort halt die Züge, die zwischen dem Studios-Eingang und dem zweiten Parkplatz südöstlich der beiden Themenparks hin- und herfahren.  

Wir gehen durch die Drehkreuze, überqueren die hübsch gestaltete Eingangsplaza, lauschen der Musik aus großen Filmklassikern und schon sind wir in der gewaltigen Studio-Halle, der „Main Street“ des Parks. Die Fassaden im Inneren bringen uns zurück in das alte Hollywood. Es gibt was zu essen, zu shoppen und natürlich Entertainment. 

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Wieder im Freien, draußen auf einem weiten, baumbestandenen Platz. Gegenüber erhebt sich stolz der Nachbau des Chinese Theaters – dem weltbekannten Kinoprachtbau aus Los Angeles – wie er auch noch in Disney’s Hollywood Studios steht. Was finden wir wohl im Inneren dieses Gebäudes? Eine europäische Version des Great Movie Rides, den es einst auch in den Studios in Walt Disney World gab? Oder eine Theater-Attraktion, ähnlich Cinémagique, das wir tatsächlich 2002 bekommen sollten. Als Reisende aus unserer Realität haben wir beim Blick auf den Parkplan Zweifel, ob das Gebäude für einen großen mit Audio-Animatronics und zahlreichen Sets gefüllten Ride groß genug ist. Gerne hätte ich die komplette Geschichte, was sich wohl im Inneren eines der herausragendsten Gebäude der Disney-MGM Studios Europe hätte befinden sollen…

Ein Ort, an dem Disney Filme entstehen

Setzen wir aber unseren Parkbesuch in dieser fremden Wirklichkeit fort: Kurz überlegen wir, ob wir uns zu einem zweiten Frühstück hinsetzen sollen. Rechts von uns, direkt hier an dieser Plaza, lockt das Route 66 Café. Doch nein, wir sind ungeduldig und wollen wissen, was die Disney-MGM Studios Europe noch so alles zu bieten haben.

Also folgen wir dem gewundenen Hauptweg, vorbei an Filmsets, die typische europäische Städtchen darstellen. Kurz stoppen wir am Brown Derby, dem feinsten Restaurant der Studios, und machen Reservierungen für’s Abendessen. 

Dann endlich besuchen wir unsere erste Attraktion! In The Magic of Disney Animation erfahren wir, wie Disneys Trickfilmklassiker entstehen. Highlight dabei ist sicherlich der Blick auf die Tische der Zeichnerinnen und Zeichner, die tatsächlich hier in den Disney-MGM Studios Europe an neuen Disney Filmen und Cartoons arbeiten. Die Disney Animation Studios France gibt es bereits seit 1986. Unter anderem wurde hier am DuckTales Film, dem Goofy Film, Der Glöckner von Notre Dame, Tarzan und Fantasia 2000 mitgewirkt. (In unserer Welt schlossen die Disney Animation Studios France im Jahr 2003.)

Jetzt ist unsere Lust geweckt, noch mehr darüber zu erfahren, wie Filme entstehen. Immerhin: es sind ja noch einige Jahre, bis wir die ganzen Making-of Extras auf DVDs und BluRays bekommen – von YouTube ganz zu schweigen. Wir besuchen den nächsten Themenbereich, die Attraction Studios: Links und rechts stehen Soundstages, in denen wir mehr über Filmemachen, Soundeffekte und Special-Effekte lernen. Hier sind auch tatsächlich Filmcrews unterwegs und drehen, wie auch in den Disney-MGM Studios in Florida.

Es zieht uns weiter bis ganz ans Ende der Straße, wo wir uns für die Studio Tram Tour anstellen. In den vertraut wirkenden Zügen geht es vorbei an den Ateliers, durch Straßensets, hin zur Kostümabteilung und schließlich zum Highlight, dem Catastrophe Canyon

…und Action!

Nachdem uns Erdbeben, Feuersbrünste und Sturzfluten ordentlich durchgeschüttelt haben ist uns noch nach mehr Action. Diese bekommen wir bei Dick Tracy’s Crime Stoppers, einer der Star-Attraktionen dieses Parks. Zuerst müssen wir zurück zur Magic of Disney Animation, biegen dort scharf links ab und finden uns in den Straßen New Yorks wieder – alles Filmsets natürlich. Zu unserer Rechten haben wir den Eingang zu Dick Tracy. Hier werden werden wohl eine ganze Weile anstehen müssen. Egal, denn es lohnt sich: In Oldtimern geht es durch die nächtlichen Straßen einer Großstadt, wo uns Gangsterbanden in wilde Schussgefechte verwickeln. Hier sind wir mitten in der Welt von Dick Tracy – dem Comic-Helden, der 1990 mit und von Warren Beaty verfilmt wurde. Und der, das nehmen wir mal an, in dieser anderen Realität, die wir gerade besuchen, auch im Gegensatz unserem Heimatuniversum tatsächlich ein großer Kinoerfolg war. (Mehr zu diesem Ride erfahrt ihr übrigens an dieser Stelle.

Wilde Schießerei auf der Fahrt durch Dick Tracy's Crime Stoppers
Konzeptzeichnung für eine der actiongeladenen Szenen in Dick Tracy’s Crimestoppers © Disney

Im Anschluss schlendern wir durch die Straßen New Yorks. Familien steuern zielstrebig den Honey I Shrunk the Kids Spielplatz an, wo die jüngsten Besucherinnen und Besucher sich etwas zwischen riesigen Grashalmen und Lego-Steinen austoben können. 

Langsam müssen wir uns aber beeilen: in einer halben Stunde beginnt das Indiana Jones Stunt Spectacular. Hinter einem kleinen See sehen wir schon von Weitem die Kulissen einer arabischen Stadt. In einem großen Amphitheater verfolgen wir Indy bei einer ganzen Reihe seiner größten und atemberaubendsten Stunts. 

Ein toller Tag. Langsam merken wir aber, wie um uns herum diese Wirklichkeit verblasst. Es geht zurück in unsere Welt, in unsere Zeit. Die Disney-MGM Studios Europe lassen wir zurück…

Disney Studios für Europa

Da sind wir wieder: In unserer Realität, in der am 16. März 2002 der Walt Disney Studios Park eröffnete. In der es die Disney-MGM Studios Europe nie gab. 

Das Projekt dahinter war allerdings sehr real. Anfang der 1990er verfolgte Disney’s Management mit viel Energie das Ziel, einen Studio Park nach Europa zu bringen. Übrigens versuchten sie auch ihre japanischen Partner davon zu überzeugen, die Disney Studios Japan neben Tokyo Disneyland zu errichten – was die Japaner sehr energisch ablehnten.

Die Eröffnung der Disney-MGM Studios in Walt Disney World im Mai 1989 war ein riesiger Erfolg gewesen. Viel mehr Gäste als erwartet strömten in den – anfangs sehr kleinen – Park. Schnell machten sich die Imagineers daran, neue Attraktionen und Bereiche wie die Muppet Studios oder den Sunset Boulevard hinzuzufügen. 

Gleichzeitig arbeitete Disney an der Verwirklichung seiner ehrgeizigen Pläne für das brandneue Euro Disney Resort, das 1992 eröffnen sollte. Bereits von Anfang an war klar, dass dieses europäische Resort langfristig mehrere Themenparks umfassen sollte. Schon im November 1989 (gerade ein halbes Jahr nach der Eröffnung der Studios in Florida) hieß es dann: „Wir bringen die Disney-MGM Studios nach Euro Disney!“   

Schwarz-weiß Foto der Disney-MGM Studios in Walt Disney World
Die Disney-MGM Studios (heute: Disney’s Hollywood Studios) in ihrem Eröffnungsjahr 1989 © Disney

Was Euro Disney’s Zukunft versprach

Als meine Eltern und ich – sowie Millionen anderer auf der ganzen Welt – am Abend des 11. Aprils 1992 begeistert im Fernsehen die feierliche Eröffnung von Euro Disney mitverfolgten, war das Erstaunen nochmal extra groß: Wir bekamen eine kurze Vorschau dessen zu sehen, was die nahe Zukunft für Euro Disney versprach. Neben Attraktionen zu “Die Schöne und das Biest” sowie “Arielle, die Meerjungfrau” bekamen wir auch einen ersten Blick auf das riesige Modell der Disney-MGM Studios Europe zu sehen. Eröffnung: 1995, spätestens 1996. Wow.

In der Eröffnungsgala 1992 bekamen wir schon einen Blick auf die kommenden Attraktionen für Euro Disney – einschließ der Disney-MGM Studios Europe… schaut rein!

Disney war so zuversichtlich was den Erfolg von Euro Disney anging, dass man schnellstmöglich mit dem Bau des zweiten Parks beginnen wollte. Das heißt auch, dass die meisten der Pläne für die Disney-MGM Studios Europe schon recht weit fortgeschritten waren oder sogar fertig in den Schubläden der Imagineers lagen. Dennoch sollte dieser Park nie gebaut werden…

Nur wenige weitere Details zu diesem Studio Park als in unserem imaginären Besuch oben sind bekannt. Teils änderten sich Pläne und Ideen für Attraktionen, was sie ja stets tun. Daher war unser Besuch nur eine mögliche Realität. In manchen Entwürfen sind die Attraktionen der Disney-MGM Studios Europe leicht anders verteilt oder der zusätzliche Parkplatz fehlt. Es gab Gedanken, die Muppets – die Disney damals gerade von Jim Henson übernehmen wollte – stark in die Studio Parks in Florida und Paris einzubinden, zum Beispiel mit dem Great Muppet Movie Ride. Andere erfolgreiche Konzepte wie das Sci-Fi Dine In Restaurant tauchten ebenso auf den Plänen für Paris auf, wenn auch vielleicht erst als eine der ersten Erweiterungen für die Disney-MGM Studios Europe.

Bauplan der Disney-MGM Studios Europe
Ein weiterer Plan der Disney-MGM Studios Europe mit leichten Änderungen, so findet sich Dick Tracy’s Crime Stoppers nun näher am Parkeingang und das Brow Derby Restaurant hat die Straßenseite gewechselt… © Disney

Es hätte fast so kommen können… Doch wie wir wissen, war Euro Disney ein kolossaler finanzieller Fehlstart, der fast die Pleite unseres europäischen Disneyland’s bedeutet hätte. Diese stürmische Epoche haben wir für euch in diesem Beitrag genauer beschrieben – wenn ihr mehr dazu wissen wollt, lest da mal rein!

1999 war Disney in der Lage und auch etwas gezwungen, einen zweiten Park in Paris anzugehen – und wie wir wissen, sollten die Walt Disney Studios ganz anders aussehen…

Die Disney-MGM Studios Europe vs. Walt Disney Studios 

Da drängt sich natürlich die Frage auf: Wären die Disney-MGM Studios ein besserer Park gewesen als die Walt Disney Studios?

Ein ganz klares „Ja“. Mit einem ebenso klarem: „Aber“.

Die Disney-MGM Studios Europe wurden zu einer Zeit geplant, als die Imagineers ihren vollen Ehrgeiz entfalten durften. Als bestes Beispiel dafür haben wir „unserem“ Disneyland Park in Paris stehen. Hier gelang es den Imagineers, klassische Attraktionen für eine neue Generation weiterzuentwickeln und immersive, hoch-detaillierte Themenwelten zu schaffen, wie es sie bislang in der Qualität noch nicht gab – sei es nun Frontierland, die Main Street, U.S.A., oder das märchenhafte Dornröschenschloss… Die 1990er hätten das Disney Jahrzehnt mit vielen, ähnlich ambitionierten Attraktionen und spektakulären Parks werden sollen. Die Planungen an den Disney-MGM Studios Europe fielen genau in diese Zeit und in dieses kreative Umfeld. Welch bittere Ironie, dass es gerade Euro Disney und seine finanzielle Krise war, die dieser Epoche ein so jähes Ende setzte…    

Die Disney-MGM Studios Europe hätten eine reiche Atmosphäre mit vielen Details (vergleichbar mit Disneyland Park nebenan) geliefert. Das fehlte den Walt Disney Studios völlig und erst in den letzten Jahren sehen wir mit neuen Attraktionen und Bereichen wie Ratatouille ein starkes Umdenken.

Das “Studio-Problem”

Nun zum „Aber“: Die Disney-MGM Studios Europe hätten zu ihrer Eröffnung nur eine Handvoll Attraktionen und Shows geboten – nicht viel anders als die Walt Disney Studios im Jahr 2002. Vielleicht hätten die Attraktionen eine andere, höhere Qualität gehabt. Doch die Frage bleibt, ob es genug gewesen wäre, um einen ganzen Tag zu füllen. Oder wären die Warteschlangen für die wenigen Fahrgeschäfte unerträglich lang geworden – wie auch in den Disney-MGM Studios in Walt Disney World geschehen (und heute noch geschieht). Neben den paar Großattraktionen wie Dick Tracy, der Studio Tram Tour und dem Indiana Jones Stunt Spectacular fehlte es auch an kleinere Fahrgeschäften, die einen Tag in einem Disney Park immer wieder auflockern.

Es bleibt fraglich, ob das Geschäftsmodell der Disney-MGM Studios Europe lange funktioniert hätte: Wie auch in Orlando sollten hier ja tatsächlich Filme entstehen. Das funktionierte in Florida jedoch nie sonderlich gut und wurde mit der Zeit aufgegeben. Hätte es in Europe anders kommen können? Zweifel sind angebracht. Immerhin wurden die europäischen Disney Trickfilmstudios auch 2003 geschlossen.

Schließlich wäre dieser Park irgendwann vor dem „Studio-Problem“ gestanden: Spätestens ab Mitte der 2000er war das Interesse des Publikums am Blick hinter die Kulissen der Filmwelt abgekühlt. Ob das nun an den Making-ofs auf jeder DVD lag oder am wachsenden Gefühl, dass flache Sets bei Weitem nicht an ausgefeilten Themenländer heranreichen, das ist eine spannende Diskussion für ein andermal. 

Jedenfalls hätten sich die Disney-MGM Studios Europe genauso wandeln müssen, wie es in den letzten Jahren die Disney’s Hollywood Studios in Walt Disney World taten. Oder die Universal Studios Parks. Oder die zahlreichen anderen Studio-Parks rund um den Globus. Weg vom „Besuch hinter die Kulissen“ hin zu Themenwelten, die auf populären Film- und TV-Serien basieren. 

… und doch: Der Blick auf das, was da mit den Disney-MGM Studios Europe hätte sein können, hinterlässt Wehmut. Ein weiterer Disney Park, den wir so nie erleben haben dürfen. Ein weiteres, faszinierendes Kapitel im „Was hätte sein können“ der Disney Parks…

Mehr zur Geschichte von Disneyland Paris gibt es in unserer DLP History Serie.

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