Disney Parks: Was hätte sein können – Mountain Edition

Disneys Berge stehen für Spaß und Action, tolle Thematisierung und Stories. Egal ob Big Thunder Mountain, Space Mountain oder Splash Mountain, Disneyland’s Matterhorn oder Animal Kingdom’s Expedition Everest – Legend of the Forbidden Mountain – sie alle prägen die Silhouette ihrer Parks. Viele von euch zählen den ein oder anderen Berg aus gutem Grund zu euren Lieblingsattraktionen. Mountains und Disney, das gehört einfach zusammen.

Da wundert es doch nicht, dass für jeden Berg, der in die Höhe ragt, die Imagineers zig weitere Ideen für Mountain-Attraktionen hatten. Lasst uns also auf eine Bergtour gehen – und zwar eine Tour der Gipfel, die es leider nie in die Disney Parks schaffen sollten…

Rock Candy Mountain

Der nie errichtete Rock Candy Mountain in Fantasyland
© Disney

Der erste Berg, den wir besuchen, ist auch einer der ersten, den die frühen Imagineers für das frisch eröffnete Disneyland im Sinn hatten: Rock Candy Mountain.

Im hintere Bereich von Fantasyland hätte sich dieser enorme Berg aus Zucker und Süßigkeiten erheben und das Storybook Land um einen Gipfel bereichern sollen: Der kleine Casey Jr. Zirkuszug hätte die zuckersüßen Hänge erklimmen sollen und die Storybook Land Canal Boats wären ins Innere des Berges umgeleitet worden. Dort, tief in den Höhlen, hätten Gäste Szenen aus dem „Zauberer von Oz“ zu sehen bekommen – die Buchrechte hatte sich Walt Disney erst Anfang der 50er Jahre gesichert. (Wohlgemerkt: nicht die Rechte am bekannten Filmmusical mit Judy Garland.)

Die Imagineers fertigten ein Modell des Berges an. Sie verzierten es mit zig Süßigkeiten wie Lutschern, Bonbons, Lakritze und vielem mehr nur um festzustellen: Statt verführerisch zu wirken, war das ganze doch zu viel des Guten. Beim bloßen Anblick drehte es vielen Imagineers den Magen um. 

Stattdessen machte ein anderer Berg das Rennen, der 1959 eröffnen sollte: Disneyland’s Matterhorn.

Die Pläne für den Zuckerberg verschwanden im Archiv… bis 2012 auf Disney California Adventure’s Buena Vista Street der Trolley Sweets Süsswarenladen eröffnete – und dort im Schaufenstern steht seitdem ein Modell des Rock Candy Mountain.

Epcot’s Matterhorn

Epcots Schweiz mit dem Matterhorn im Hintergrund
Der einst geplante Schweizer Pavilion für EPCOT Center © Disney

Das Matterhorn in Disneyland erwies sich als riesiger Erfolg – und ist dies selbst heute noch, 60 Jahre nachdem die Achterbahn zum ersten Mal öffnete. Immer wieder unternahmen die Imagineers daher Anläufe, diesen Gipfel in andere Parks zu bringen – zum Beispiel in das Magic Kingdom, nach Tokyo Disneyland oder sogar Euro Disneyland. Was jedoch stets bereits im frühesten Stadium beerdigt wurde.

Am weitesten kamen die Pläne für ein Matterhorn in Epcot Center’s World Showcase – natürlich in einem Schweizer Pavilion. Der markante Berg hätte sich zwischen dem Deutschen und Italienischen Pavilion in den Himmel Floridas erheben sollen. Eine Straße durch ein alpines Dörfchen mit den typischen Shops und Restaurants hätte zum „Basiscamp“ des Berges geführt: In Bobs sollte es dann einen olympiareifen Parcours die Hänge des markanten Berges hinuntergehen.

Wie so häufig aber in Epcot’s Geschichte: Disney war nicht in der Lage passende Sponsoren aus der Schweiz zu finden, die so tief in die Tasche hätten greifen wollen. So verschwand Floridas Matterhorn in den Schubladen der Imagineers.

Epcot’s Fuji

Die Mount Fuji Achterbahn für Epcots Japan
Fast hätte hinter Epcot’s Japan der Fuji in den Himmel geragt… © Disney

Ein weiterer Gipfel sollte ebenfalls Epcot Center’s World Showcase zieren: Japans Königin der Berge, der Fuji. Um die Hänge des Vulkans herum und durch sein tiefes Inneres hindurch hätte eine wilde Achterbahnfahrt Epcot’s Thrill-Angebot deutlich erhöht.

Doch wieder machte die Sponsorenfrage Ärger: Zum Einen gestaltete sich auch hier die Suche nach einem passenden japanischen Unternehmen schwierig. Zum Anderen war Disney’s langjähriger Partner Kodak – der den Imaginations Pavilion sponserte – wenig begeistert, dass im selben Park eine Attraktion den Namen eines seiner schärfsten Konkurrenten tragen sollte: Fujifilm.

Allerdings hatte man ebenfalls Bedenken, eine Achterbahn in einen Vulkan zu setzen, der für viele Japanerinnen und Japaner als heilig gilt. Und so wurde auch aus dieser Gipfel-Attraktion nichts. 

Fire Mountain

Der Fuji in Epcot's Japan
Ein feuerspeiender Vulkan in Magic Kingdom’s Adventureland … © Disney

Wir bleiben bei Vulkanen, wechseln aber in Walt Disney World den Ort und springen in das Magic Kingdom: Ende 1994 schloss dort die U-Boot-Fahrt 20,000 Leagues under the Sea (thematisiert nach Jules Verne’s „20.000 Meilen unter dem Meer“) in Fantasyland. 

An dieser Stelle sollte sich, so die Imagineers, bald ein neuer Berg erheben: Fire Mountainwie der Name schon andeutet, ein Vulkan. In seinem Inneren hätten wir eine innovative Achterbahn-Kombination erleben dürfen. Die Fahrt sollte als klassische Achterbahn beginnen. Mitten in der Fahrt, beim Ausbruch des Vulkans, hätte sich die Bahn plötzlich in einen Inverted Coaster – bei dem die Sitze von der Schiene hinunter hängen – verwandelt. Eine ziemlich einzigartige und spannende Top-Thrill-Attraktion also.

Zuerst arbeiteten die Imagineers mit der Idee, die Kapitän Nemo Thematisierung des Vorgängers beizubehalten. Ein tropisches Vulkania, Nemo’s geheime Basis, hätte Fantasyland um eine fantastische neue Welt bereichert. Eine ähnliche Umgebung schufen die Imagineers ja zeitgleich für Tokyo DisneySea. 

Fire Mountain wanderte dann nach Adventureland – und ein neuer Film sollte den Berg vereinnahmen: „Atlantis“, an dem Disneys Trickfilmzeichner gerade arbeiteten.

Zwischen den Eingängen zur Jungle Cruise und Pirates of the Caribbean sollte ein Pfad zu Preston Whitmore’s – dem Multi-Milliardär aus dem Film – Forschungscamp führen, das er am Fuße des Vulkans hatte aufschlagen lassen. Von hier aus wären wir zu unserer rasanten Expedition durch den Vulkan nach Atlantis aufgebrochen…

… allerdings: es sollte ja nie so kommen. Das “Warum” erfahrt ihr gleich…

Villain Mountain

Fantasia Bald Mountain
Der “Bald Mountain” aus Fantasia’s “Nacht am Kahlen Berge” war Inspiration für diese Berg-Attraktion © Disney

Während Fire Mountain also nach Adventureland wanderte, schmiedeten die Imagineers weiterhin große Berg-Pläne für die alte U-Boot-Lagune in Fantasyland. Disney’s Schurkinnen und Schurken sollte ihre eigene Mega-Attraktion bekommen: Villain Mountain, auch bekannt als Bald Mountain – benannt (und in Form nachempfunden) nach „Der Nacht am kahlen Berge“ aus „Fantasia“. 

Dieser Berg sollten einen Water Coaster beheimaten: Gäste hätten in Booten Platz genommen, die stark an Hades’ Unterwelt-Kahn aus „Hercules“ erinnerten. Auf der Fahrt schlittern wir dann mitten in ein Treffen von Disney’s Top-Bösewichtern, wie sie gerade die Übernahme des Magic Kingdoms planen. Natürlich beginnt eine wilde Flucht mit zig haarsträubenden Begegnungen mit unseren Lieblingsschurken, inklusive dem Sturz den Berghang hinab.

Aber auch hier: Es wurde nichts daraus.

Dabei war der damalige Disney Chef Michael Eisner sowohl von Fire Mountain wie auch Villain Mountain so begeistert, dass beide Berge schnellstmöglich Realität werden sollten. Fire Mountain sollte bereits 2001 den Anfang machen, gefolgt wenige Jahre später von Villain Mountain / Bald Mountain.

Aber warum geschah dann nichts? Nun, die Projekte begannen sich zu verschleppen und eine Kombination aus verschiedenen Faktoren führten schließlich dazu, dass sie nie im Magic Kingdom errichtet wurden: Zum Einen befinden wir uns Ende der 1990er ja in der Phase Disney’s, in der immer weniger Geld in Attraktionen floss – was uns solch unterfinanzierten Parks wie die Walt Disney Studios in Paris, Disney’s California Adventure und Hong Kong Disneyland einbrachte. 

Beide Berge waren auch dazu gedacht, gegen die wachsende Konkurrenz von Universal in Orlando anzutreten. 1999 öffneten neben den Universal Studios die Islands of Adventure – und hatten erstmal jahrelang damit zu kämpfen, Besucher anzulocken. Erst mit der Wizarding World of Harry Potter (2010) wurde dieser Park zum Publikumshit. Doch bis dahin stellte er für Walt Disney World keine sonderliche Bedrohung dar. Das hieß aber erstmal, dass man nicht mit neuen Top-Rides kontern musste. 

Schließlich floppte „Atlantis“ an den Kinokassen, was ein weiterer Schlag für Fire Mountain war… Dann kamen noch die Besuchereinbrüche und die Wirtschaftskrise nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Fire Mountain wie auch Villain Mountain waren damit vom Tisch.

Discovery Mountain

DLP Discovery Mountain
Das riesige Innere von Discovery Mountain © Disney

Ein weiterer Berg: Discovery Mountain für Disneyland Paris, der sich schließlich zu unserem Space Mountain entwickelte, wie wir ihn kennen. Was die Imagineers jedoch anfangs erträumten, war deutlich grandioser – vielleicht zu grandios…

Discovery Mountain wäre ein riesiges Gebäude geworden. Darin hätten wir mehrere Attraktionen auf verschiedenen Ebenen gefunden: Im oberen Teil des Berges wären wir immer noch per Achterbahn in die Tiefen des Alls vorgestoßen. Im „Erdgeschoss“ hätte sich eine weite Lagune erstreckt, in welcher die Nautilus vor Anker lag. Statt der Walkthrough-Attraktion, die wir heute kennen, spielten die Imagineers mit der Idee, in Kapitän Nemo’s großem Salon ein Restaurant unterzubringen. 

Für die Mitte der Lagune war eine Drop-Tower-Attraktion vorgesehen, in der Gäste in die Tiefen des Berges gestürzt wären. Discovery Mountain sollte auch schon bestehende Attraktionen wie Star Tours oder das Theater für Captain EO verbinden – das riesige Gebäude hätte ein großer Indoor-Bereich werden sollen, von dem die Imagineers ausgingen, dass die europäischen Besucherinnen und Besucher dies beim typischen Pariser Wetter zu schätzen wissen würden.

Mit der Eröffnung von Euro Disneyland 1992 zeigte sich, dass die europäischen Gäste viel wetterbeständiger waren, als die an Südkaliforniens Sonnenschein gewöhnten Imagineers dachten. Die Notwendigkeit großzügiger Indoor-Bereiche nahm ab. Und natürlich war dieses gewaltige Gebäude enorm teuer. Geld, das das finanziell strauchelnde Euro Disney nicht gerade im Überfluss hatte.

So wurden die Pläne neu gezeichnet, der Grundriss des Berges wurde kleiner, und 1995 eröffnete die – immernoch phänomenale – Attraktion Space Mountain: De la Terre à la Lune.

Der Name Discovery Mountain sollte sich noch eine ganze Weile halten. Und wenn ihr mal wieder Space Mountain in Paris besucht, dann achtet genau auf das Logo auf den Schildern und selbst den Achterbahnzügen: Dort findet ihr weiterhin ein „DM“ für Discovery Mountain. Erst in quasi letzter Minute wurde der Name der Attraktion aus Marketinggründen von Discovery Mountain zu Space Mountain umbenannt. 

Einen weiterer Berg für Disneyland Paris, den es nie geben sollten haben wir übrigens schon mal vorgestellt: Geyser Mountain in Frontierland.

Pirate Mountain

HKDL Pirates
Pirates of the Caribbean in neuem Gewand: der nie verwirklichte Piraten-Bereich für Hong Kong Disneyland © Disney

Zu guter Letzt besuchen wir auf unserer imaginären Bergtour Hong Kong Disneyland: Dieser kleine Park öffnete 2005 und erwies sich schnell sowohl für Besucher*innen wie für Disney und vor allem die Regierung von Hongkong als herbe Enttäuschung – die ganze Geschichte dahinter haben wir für euch hier.

Hong Kong Disneyland brauchte neue und vor allem spektakuläre, einzigartige Attraktionen. Imagineer Tim Delaney erarbeiteten dabei ein ehrgeiziges Konzept: Pirates of the Caribbean – nicht als die altbekannte Attraktion, sondern als komplettes Land! Mit Piratenschiffen, einem karibischen Städtchen, einem alten Fort – und einer wilden Wasserfahrt durch einen Piraten-Berg. Beim großen Finale wären wir Skull Rock hinuntergestürzt. 

Das ganze Projekt war ambitioniert und damit teuer: rund 750 Millionen US-Dollar, heißt es. Disney’s Management entschied sich allerdings dieses Geld anders auszugeben – für Mystic Manor, Toy Story Land und schließlich doch einen Berg: den Big Grizzly Mountain.

Wie hat euch unsere Bergtour gefallen? Welche Attraktionen und Stories sollen wir uns als nächstes anschauen? Lasst’s uns wissen!

Mehr zu vielen Attraktionen, die es nie geben sollten, haben wir noch für euch in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie.

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