Review: Raya und der letzte Drache – Rezension zu Disneys animiertem Actionfilm

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Willkommen in Kumandra! Ein mystisches Land, inspiriert von südostasiatischer Kultur und angehaucht von einer Portion Magie und Fantasie! Hier lebten die Menschen im Einklang mit den Hütern des Lebens – den Drachen!

Doch die lebenraubenden Druun zerstören die Idylle. Die Drachen verschwinden und die Menschen beginnen einander zu bekämpfen. Nun liegt es an Raya, Sisu – den letzten Drache – zu finden, die Druun zu besiegen und die Völker wiederzuvereinen.

Raya
Raya hat ihr Ziel fest vor Augen.

Ein Hinweis vorab: In der Rezension müsst ihr keine Angst haben – es gibt keine Spoiler!

Prinzessin von Herz

Raya ist die Heldin der Geschichte und die Prinzessin des Stammes von Herz – aber sie ist keine Prinzessin! Wie ihre Familie seit 500 Jahren, hat auch Raya geschworen, die Überbleibsel der Drachenmagie zu schützen. Und auf ihrem Weg dorthin ist sie zu einer wahren Kriegerin geworden.

Nicht nur das: Raya ist eine wahrlich komplexe Figur – vielleicht sogar die realste Protagonistin eines Disney-Animationsfilms bislang. Natürlich hat Raya eine persönliche Motivation für ihre Heldenreise und steht vor der ein oder anderen Herausforderung. Doch die Hindernisse in ihrem Weg überwindet Raya schnell – womit sie deutlich mehr zu kämpfen hat: ihre inneren Schranken und Blockaden. Und genau das ist es, was Raya so real werden lässt. Tödlliche Fallen umgehen? Kein Problem! Die eigenen Vertrauensängste und Traumata überwinden? Schon deutlich schwieriger!

Raya with sword
Kämpfen ist für Raya alles andere als ein Problem.

Die Krieger:innen von Herz, Zahn, Kamm, Klaue und Schweif

Auf ihrer Reise trifft Raya auf einige Verbündete. Die Wichtigste: Sisu – der letzte Drache! Raya und Sisu sind ein ungleiches Team, auch wenn sie das gleiche Ziel verfolgen, ihre Familien zu retten. Denn Sisu ist eine unverbesserliche Optimistin, glaubt immer an das Gute und das auf einem schon naiven Niveau. Das hat sich nicht nur Raya anders vorgestellt.

Raya and Sisu
Raya erbittet die Hilfe des legendären Drachen Sisu.

Die weiteren Mitglieder von Rayas ungleichem Team: Boun, ein frühreifer Waisenjunge (und Kapitän und Koch seines eigenen Bootes – und nicht zuletzt mein absoluter Favorit aus dem ganzen Film!), Gaunerbaby Noi und die Ongis (affenähnliche Tiere), der schroff-wirkende Tong und natürlich Rayas treuer bester Freund Tuk Tuk.

Nicht ganz zu den Verbündeten zählen lässt sich Namaari, die Prinzessin von Zahn. Genau wie Raya ist sie eine früh ausgebildete Kriegerin und beide sind von der Legende der Drachen fasziniert. Doch da enden auch schon die Gemeinsamkeiten, denn als Verteidigerinnen der verfeindeten Länder Herz und Zahn haben sie sich schon im Kindesalter hassen gelernt und sind zu Erzfeindinnen geworden.

Namaari
Auch Namaari ist sich sicher, was sie zu tun hat.

Kumandra – ein Reich der Heldinnen

Fällt euch etwas auf bezüglich der Charaktere?

Alle wichtigen Figuren der Geschichte sind weiblich! Raya sowie ihre wichtigste Verbündete und ihre Feindin sind Frauen. Und obwohl es nicht künstlich in den Vordergrund gerückt wird, merkt man es unterbewusst – und es fühlt sich so gut an!

Natürlich hatten wir in den letzten Jahren auch schon starke, weibliche Persönlichkeiten in Anna und Elsa, Moana oder Judy Hopps gesehen. Doch dieser Film setzt dem Ganzen die Krone auf. Wir bekommen mehrere, komplexe und verschiedene Figuren präsentiert, die wunderbar harmonieren und in ihrer Konstellation absolut Sinn ergeben. Was für eine tolle Idee, hier nicht künstlich eine männliche Figur noch in den Fokus zu rücken. Klasse! (Und bevor nun Sorge aufkommt: „Raya“ ist absolut kein Girlie-Film – also lasst die Vorurteile in der Schublade.)

Raya vs Namaari
Raya und Namaari treten gegeneinander an.

Der Weg ist das Ziel

Bisher klingt es so, als wäre ich regelrecht begeistert gewesen von dem Film, was? Tja, dem war dann leider nicht ganz so. Tatsächlich wusste ich die ersten Tage nach dem Ansehen nicht, ob ich den Streifen nun gut oder schlecht fand – oder einfach nur Mittelmaß.

Tuk Tuk and Raya
Raya und Tuk Tuk im Kindesalter.

Wie das kommt? Der Film hat mich nicht von Anfang an abgeholt. In den letzten Jahren hat sich in Hollywood-Filmen der Trend etabliert, dass alles zack-zack gehen muss. Wenn es kein Witz oder keine Actionsequenz ist, hat es keinen Platz in dem Film (und wenn, erst ganz am Ende).

Und so war es auch hier. Mir war das Pacing zu schnell. Ich hätte mehr Zeit benötigt, um in Ruhe in der Welt von Kumandra anzukommen. Stattdessen wird einem direkt alles Wichtige um die Ohren gepfeffert. Die vielen schnellen Schnitte und Szenenwechsel machen das ganze nicht besser (bin ich in einem TikTok-Film gelandet?). Wobei man sich hier jedoch die Frage stellen muss: Was möchte der Film sein? Und die Antwort ist (zumindest zu großen Stücken): ein Actionfilm!

Auf den schnellen Einstieg folgte dann ein recht langwieriger Mittelteil. Vielleicht war ich einfach nicht in der Stimmung, aber ich hatte in der ersten Stunde mehrfach das Bedürfnis, umschalten zu wollen bzw. auf mein Handy zu schauen. Zu wenig Wichtiges ist einfach geschehen. Zum Glück gab es dann jedoch einen Punkt, bei dem mein Interesse für die Story und Raya als Charakter sprichwörtlich aufgeflammt ist – und dann war ich auch vollkommen bei der Sache. Schade nur, dass die wirklich relevanten Entwicklungen erst gegen Ende auftreten. Ein weiterer Hollywood-Trend, den ich wirklich satt habe.

Virani and Namaari
Namaaris Mutter Virani ist das Oberhaupt von Zahn.

Doch am Ende haben es die 400 Künslter, die allesamt von zuhause aus diesen Film kreiert haben (!!), geschafft: Ich wollte mehr sehen! Und genau dann setzt der Abspann ein – na toll!

Was noch?

Was gibt es noch über Raya zu verlieren?

Die Animation ist wunderschön! Sehr real wirkend, aber zugleich mit künstlerischem Touch, der Lust auf mehr macht. Die Charaktere haben auch nicht die XXL-Augen, wie die bisherigen 3D-Animations-Heldinnen von Disney dies meist hatten. Das passt perfekt zu den realistischen Persönlichkeiten. Und ich bin natürlich froh zu sehen, dass die Disney Animation Studios ihre traditionelle 2D-Animation nicht komplett verloren haben. Einzelne Szenen hatten bei mir auch starke Star Wars Vibes ausgelöst (Stichwort Rey und BB-8).

Mitte März erscheint auch das The Art of Raya and the Last Dragon Buch*, in denen der Entstehungsprozess und das Design von Filmen gründlich dargestellt werden. Ich habe bereits einige der „Art of“-Büchern im Regal und kann sie nur wirklich weiterempfehlen, wenn ihr mehr über eure Lieblingsfilme erfahren wollt!

Sisu in human form with Raya
Eine von Sisus Kräften ist das Formwandeln.

Ein Musical ist der Film nicht, es wird nicht gesungen – aber dafür wird die Geschichte mit einem tollen Soundtrack* unterstrichen, der immer mal wieder perfekte Akzente setzt. Einen kleinen Vorgeschmack davon gibt es bereits im Trailer zu hören.

Fazit

Insgesamt ist „Raya und der letzte Drache“ Disneys erster Animations-Actionfilm, der mit tollen (weiblichen) Persönlichkeiten und sehr viel Tiefgang daherkommt. Falls es euch so gut wie mir, und ihr einfach nicht im Film ankommen könnt: Bleibt dran! Es lohnt sich und spätestens dann wird er auch euch catchen!

7,5 Sterne

Bewertung 7,5/10

Weitere Infos zum Film, zu den deutschen Synchronstimmen und Produkten findet ihr auf unserer Raya-Themenseite!

Lohnt sich der Kauf?

Nun noch zu einer Entscheidung, vor der viele von euch stehen werden. Sollt ihr euch „Raya und der letzte Drache“ kaufen oder nicht? Immerhin sind die Kinos in Deutschland noch geschlossen und damit bleibt nur eine Option, den Film zu sehen: der VIP-Zugang auf Disney+. Dadurch erhaltet ihr unlimitierten Zugriff auf den Film solange euer Disney+ Abo aktiv ist und könnt ihn so oft ihr wollt sehen. Dafür zahlt ihr allerdings auch einmalig 21,99€ (mehr dazu auf der Disney+ Infoseite).

Raya und der letzte Drache VIP-Zugang auf Disney+
Der Film ist mittels VIP-Zugang auf Disney+ verfügbar.

Für alle Abonennten von Disney+ steht der Film dann ohne VIP-Zugriff (also integriert im normalen Abo) ab dem 4. Juni zur Verfügung. Deshalb stellt sich die Frage: Könnt ihr 3 Monate warten?

Ich persönlich bin kein Unterstützer des VIP-Zugangs von Disney+. Viel lieber hätte ich den Film im Kino gesehen. Da das nicht geht, würde ich mir zumindest schon mal einen DVD und Blu-ray Release wünschen. Damit hätte ich den Film nämlich wirklich dauerhaft in meiner Sammlung. Und ja – von mir aus darf die Blu-ray dann auch anfangs mehr kosten als normal. Von daher: Ich persönlich würde ihn mir nicht sofort mittels VIP-Zugang kaufen.

Bei „Mulan“ war es bei mir ähnlich. Den habe ich mir auch erst angesehen, als er im Disney+ Abo inklusive war. Da ich den Film nur „okay“ fand, habe ich mir da auch keine Blu-ray mehr von gekauft. Wäre sie aber früher verfügbar gewesen, hätte ich sie mir sicherlich geholt. Hier hat Disney also auch im eigenen Sinne noch etwas Luft nach oben was die Wirtschaftlichkeit angeht. (Und bevor ihr fragt: Ja, „Raya“ werde ich mir dann später trotzdem auf Blu-ray holen und in meine Sammlung stellen.)

Kurzfilm: Noch einmal wir (Us Again)

Das war aber noch nicht alles. Zusammen mit Raya bringen die Walt Disney Animation Studios nämlich auch ihren ersten Kurzfilm seit einigen Jahren raus! „Us Again“ heißt er – bzw. im Deutschen „Noch einmal wir“ – und handelt von einem altgewordenen Ehepaar, das im Laufe der Jahre die Lebensenergie verloren hat. Tja, zumindest bis der Regen kommt und der Ehemann im Rausche der Musik und des Tanzes wieder voll aufblüht.

Meine Empfehlung: unbedingt ansehen!

Us Again
Der farbenfrohe Kurzfilm „Us Again“.

Der Short macht Spaß, bringt euch Richtung in Stimmung und lässt euch zu dem catchy Soundtrack im Wohnzimmer mittanzen! Ein emotionaler Moment darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht, wann ich zuletzt von einem Kurzfilm so begeistert war. Einfach geil!

Habt ihr Fragen zum Film? Oder habt ihr ihn sogar schon gesehen? Dann bin ich auf eure Meinung und Kommentare gespannt!

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