Review: Disney•Pixars „SOUL“ – Eine Geschichte über(s) Leben u̶n̶d̶ ̶T̶o̶d̶!

„Soul“ ist Disney•Pixars neuestes Animations-Highlight und nach „Die Monster AG“, „Oben“ und „Alles steht Kopf“ die vierte Regiearbeit von Pete Docter.

Und nach „Onward“, der im März für nur wenige Wochen in den Kinos lief, ist es bereits der zweite Pixar-Film, der der Corona-Pandemie zu Opfer fällt. Denn er hätte bereits im Sommer 2020 anlaufen sollen – wurde letztendlich aber auf einen Streaming-Start am 25. Dezember auf Disney+ verschoben.

Nun ist die Wartezeit jedoch so gut wie vorbei und wir hatten die Gelegenheit, den Film vorab anzusehen. Ich sag nur eins: Macht euch bereit für ein Weihnachtsgeschenk der Spitzenklasse!

Ein kurzer Hinweis noch vorab: Spoiler zur Story gibt es nicht, aber natürlich gehen wir im Folgenden auf einige Aspekte des Films ein.

Darum geht’s in „Soul“

Der offizielle deutsche Trailer zu Disney•Pixars „Soul“

Joe Gardner ist Protagonist der Geschichte. Joe ist passionierter Musiker, der für seine Kunst lebt – jedoch unter dem kargen Alltag ohne Rhythmen und Melodien leidet. Stellt euch einen – tatsächlichen talentierten – Thaddäus Tentakel vor.

Der Teilzeit-Musiklehrer bekommt eine Festanstellung angeboten, was für ihn bedeutet seine Träume endgültig aufzugeben. Doch zeitgleich organisiert ein ehemaliger Schüler ihm die Chance seines Lebens: den großen Auftritt am Piano!

Was nun passiert, seht ihr im Trailer: Joe stirbt!
Oder zumindest ist er ganz kurz davor und liegt im Koma – während seine Seele aber ins Davorseits flüchtet (analog dem Jenseits die Zeit vor dem Leben auf der Erde).

Angetrieben von seinem Lebenstraum entspringt Joe dem Sprung ins Jenseits und trifft auf seiner Flucht auf Seele 22 – einer der ältesten Seelen überhaupt. Seit Tausenden von Jahren boykottiert 22 den Schritt, das Leben zu beginnen und könnte damit Joes Freifahrt zurück in sein eigenes Leben sein.

Eine ambitionierte Idee

Joe Gardner in New York City.
Joe Gardner verliert seine Umgebung aus dem Auge, wenn es um Musik geht.

Eine Geschichte über die Seele ist ein tiefgründiges Projekt – insbesondere für einen Animationsfilm, der (auch) Kinder als Zielgruppe vorsieht. Nun wissen wir natürlich, dass sowohl Pixar aber auch insbesondere Pete Docter bereits „Alles steht Kopf“ („Inside Out“ im Original) herausgebracht haben. Ebenfalls ein Film, der sich alles andere als oberflächlich mit den Figuren der Rahmenhandlung beschäftigt. Dementsprechend neugierig war sicherlich nicht nur ich (noch bevor man erste Bilder gesehen hat). Und ich muss sagen: Der Film hatte große Erwartungen zu erfüllen.

Und diesen Erwartungen war man sich scheinbar bewusst. Oder, was wahrscheinlicher ist: Man hat sich in alter Pixar-Manier allen Erwartungen abgewendet und einfach sein Ding gemacht. Und lasst mich euch sagen: Das Ding geht voll auf!

Künstlerische Freiheit

Joe Gardner am Piano
Am Piano geht Joes Seele vollkommen auf.

Docter und sein Team entfalten die Story mit präzise gewähltem Tempo und ziehen den Zuschauer damit frühzeitig in ihren Bann. Dabei wird auch gleich klar: Der Film folgt nicht (komplett) der üblichen Filmdramaturgie. Die Message ist klar: „Bleibt wachsam oder ihr verpasst die wichtigen Moment des F̶i̶l̶m̶s̶ Lebens!

Wenn die Story selbst einen nicht gerade beansprucht, stehen die Chancen gut, dass die Musik – oder um präziser zu sein der Jazz – ebendies tut. Es wurde ganz offensichtlich viel Wert darauf gelegt, dass Joes Leidenschaft hierfür außer Frage steht. Dementsprechend dürft ihr euch freuen, von der Musik in andere Welten entsandt zu werden.

Die Seelen der Seelen

Joe und 22 mit Terry und den Jerrys
22 und Joe gefangen im Davorseits.

Auch stimmlich kann der Film überzogen. Ich habe die US-amerikanische Originalversion gesehen, in der Jamie Foxx und Tina Fey die Hauptrollen übernehmen und einfach unglaublich gut harmonieren. Kennt ihr diese Besetzungen, bei denen die Stimmen für euch unweigerlich mit den Figuren verschmelzen? Genau dies passiert hier! Beide bringen unglaublich viel Emotion und – Achtung Wortspiel – Seele in die Stimmen.

In der deutschen Version werden voraussichtlich Charles Rettinghaus und Anna Carlsson Joe und 22 sprechen. Eine Kostprobe gibt es im obigen Trailer. Und auch hier ist mein Ersteindruck ein schlichtweg positiver: Die Stimmen sind nah am Original und die Synchronschauspieler dürfen in ihren Rollen aufgehen. Ich freue mich auf das Endprodukt!

Letztendlich bei einem Animationsfilm interessant: die Animation!
Und hier dürfte die Auslegung des Art Styles sicherlich auch einige Stunden Recherche bedeutet haben: Was ist eine Seele? Wie sieht der Übergang zum Jenseits aus? Und wie ist man oder frau im Einklang mit sich selbst?

Um den filmischen Kontrast besser darzustellen, hat man sich für ein recht realistisch aussehendes New York City entschieden (vor allem hervorzuheben ist dabei das Licht). Im Gegensatz dazu stehen die eher „cartoony“ aussehenden Seelen und die Welt des Davorseits. Dabei hat man sich kreativ ordentlich austoben können und hat unter anderem tolle Vektorkonzepte und 2D-XOR-Animationen mit eingearbeitet. Das macht optisch Spaß und unterstützt gleichzeitig den Effekt einer komplett anderen Ebene der Existenz. Klasse!

Disneys XXL-Weihnachtsgeschenk an euch

Ein U-Bahn-Musiker in New York
Seine Passion zu leben bedeutet nicht immer, auf der großen Bühne zu stehen.

Anders kann man es schon gar nicht mehr beschreiben, denn „Soul“ ist zweifelsohne ein absolutes Meisterwerk. Dass Disney es allen Disney+ Abonnenten pünktlich am Weihnachtstag im Grunde als Weltpremiere zur Verfügung stellt, ist nichts anderes als ein riesiges „Geschenk“ (kostenpflichtiges Disney+ Abo wird benötigt).

Der Film und die Message laden zum Grübeln ein. Über sein eigenes Leben natürlich, das sollte sich an diesem Punkt von selbst verstehen. Und das Tolle daran: Ich stelle mir vor, dass diese Message für jede(n) Einzelne(n) von uns anders aussieht.

Für Joe ist zumindest eine seiner Lektionen, auch die kleinen Momente des Lebens zu genießen. Eine Lektion, die auch ich mir während des Schreibens dieser Rezension zu Herzen genommen habe.

Aber, keine Sorge, natürlich passiert all das, was man in den knapp 100 Minuten zu Gesicht bekommt familienfreundlich. Deshalb mein Vorschlag an euch: Nutzt doch die dieses Jahr ohnehin ruhigen Weihnachtstage, um den Film gemeinsam mit euren Liebsten anzusehen.

Wenn ich aber noch einen zweiten Weihnachtswunsch frei hätte: Ich würde Soul noch einmal im Kino auf der großen Leinwand sehen wollen!

Bewertung

Story: 9,5/10

9,5 Sterne

Soundtrack: 9/10

9 Sterne

Visuals: 9/10

9 Sterne

Gesamt: 9/10

9 Sterne

„Soul“ ist ab dem 25. Dezember 2020 für alle Disney+ Abonnenten ohne Zusatzkosten zum Streamen verfügbar.

Poster zu Disney • Pixars „SOUL“

Bilder © Disney/Pixar

4 Antworten auf „Review: Disney•Pixars „SOUL“ – Eine Geschichte über(s) Leben u̶n̶d̶ ̶T̶o̶d̶!“

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