Interview: Tänzerisches „Encanto“: Wie Disney den richtigen Takt gefunden hat

Im November ist es so weit: Die Walt Disney Animation Studios führen uns in das verzauberte Haus einer magischen, kolumbianischen Familie. Wir haben im exklusiven Interview mit den Köpfen hinter dem 60. abendfüllenden Disney-Trickfilm „Encanto“ gesprochen…

Eine zauberhafte Familie, ihr magisches Haus und mittendrin die junge, schüchterne Mirabel, die keine Gabe, aber ein ungutes Gefühl hat: Am 24. November 2021 entführen uns die Walt Disney Animation Studios für ein musikalisches Abenteuer nach Kolumbien. Um euch auf den 60. abendfüllenden Disney-Animationsfilm einzustimmen, teilen wir mit euch, was uns die kreativen Köpfe hinter „Encanto“ so über den Entstehungsprozess des Films verraten haben …

Der Luxus, kollaborieren zu können: Der Disney-Prozess

In führenden kreativen Positionen verantwortlich für „Encanto“ sind Regisseur Byron Howard, Regisseur/Autor Jared Bush und Autorin/Co-Regisseurin Charise Castro Smith. Während Howard mit Bush bereits an „Zoomania“ zusammenarbeitete (dort war Bush als Autor und Co-Regisseur tätig), stieß Charise Castro Smith sozusagen als Außenstehende zum Projekt hinzu. Howard und Bush suchten in der frühen Produktionsphase nach Kreativen, die sich im Genre des Magischen Realismus auskennen, und trafen sich daher mit zahlreichen Talenten außerhalb der Disney-Familie.

Smith, die vor allem als Bühnen-Dramaturgin bekannt ist, unter anderem aber auch am Netflix-Horrorserien-Hit „Spuk in Hill House“ mitwirkte, begeisterte das Duo aufgrund ihrer Erfahrung sowie ihrer passionierten Haltung zu dieser Erzählform – und wurde daher als Autorin angeheuert, die gemeinsam mit Bush das Drehbuch verantworten sollte. Ähnlich wie im Disney-Schwesterstudio Pixar, wo Autor Kemp Powers in solcher Position für „Soul“ gewonnen wurde und letztlich sogar als Ko-Regisseur agierte, verdiente sich auch Smith bei „Encanto“ schlussendlich die Sporen als Ko-Regisseurin.

Dieses Eintauchen in den Arbeitsprozess innerhalb der Disney-Trickstudios beschreibt Smith wie folgt: „Es ist fabelhaft! Der Entstehungsprozess geht bewusst Schritt für Schritt vor. Jared und ich haben den ersten Skriptentwurf vor ungefähr drei Jahren geschrieben – in enger Zusammenarbeit mit dem Cultural Trust und dem Disney-Storyteam.“ Sie führt fort: „Seither haben wir den Film acht Mal intern vorgeführt – und jedes Mal folgte darauf eine vollständige Evolution. Inspiriert von den Reaktionen in unserem Team, vom weiteren Disney-Kollegium, von unseren Familien, durch neue Ideen, die uns beim Anschauen gekommen sind, und auch durch neue Songs von Lin-Manuel Miranda. Und inspiriert durch unseren Cast, die Persönlichkeiten unserer Stimmtalente und Impro im Sprechatelier. Wir haben all dies als Anlass genommen, weiter an dem zu feilen, was wir haben. Ich finde das klasse!“

Jared Bush stimmt ihr zu und bezeichnet das berühmte, von Anfang an eingeplante, häufige Umschmeißen eines Disney-Animationsfilms während seiner Entstehung als „riesigen Luxus“. „Beim Realfilm wird üblicherweise das Drehbuch fertiggestellt, verfilmt und im Schnitt lassen sich Dinge dann noch ein wenig umstrukturieren. Trotzdem: Steht erst einmal das Drehbuch, bleiben die Möglichkeiten begrenzt. Was ich wunderschön daran finde, wie wir bei Disney Animation vorgehen dürfen: Wir können unentwegt die Story verbessern. Wenn wir im Laufe der Produktion Lektionen lernen, können wir die Schlüsse, die wir gezogen haben, direkt umsetzen. Ich finde, dass das ein großartiger Prozess ist, und es ist schade, dass sich das nicht alle Filme leisten können.“

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Die große, zauberhafte Familie Madrigal © 2021 Disney. All Rights Reserved.

So luxuriös es auch sein mag: Die Möglichkeit, immer wieder ganze Storypassagen und Charakterisierungen neu zu gestalten, weil man erzählerische Probleme ausbügeln möchte, macht das Unterfangen nicht gerade einfacher. Und dabei ist ein Animationsfilm bereits eine Aufgabe heraklischen Ausmaßes. In Bushs Worten: „Diese Filme sind enorm! Da arbeiten auch mal 800 Personen gleichzeitig. Unentwegt wird gewerkelt, ständig passiert etwas in verschiedenen Departments – in der Story, in der visuellen Entwicklung, in der Charakteranimation, beim Licht, der Kamera, den Effekten, bei der technischen Animation … Es sind so viele Abteilungen, denen man sich auf einmal widmen muss!“

Das ist laut Bush der Grund, weshalb so viele Animationsfilme von Regie-Teams geführt werden – und das oberste Gebot für das „Encanto“-Regie-Team stand außer Frage: „Das Erste, was Byron, Charise und ich zu leisten hatten, war: Wir mussten uns einig werden, was wir mit dem Film über Familienbande aussagen wollen, welche Vision wir von unserer Hauptfigur Mirabel haben und wie sie jederzeit handeln würde“, so Bush.“ Das waren unsere Orientierungspunkte. Die mussten feststehen, damit wir unser Filmteam leiten konnten.“ Howard ergänzt: „Uns war es wichtig, dass wir drei mit derselben kreativen Stimme sprechen. Selbst, wenn wir in manchen Detailfragen unterschiedlicher Meinung waren, so musste es diese entscheidenden Gemeinsamkeiten geben. Wie sonst hätten wir unserer Crew sagen können, wo die Reise hingeht?“

Für Howard, der vor seiner Regiekarriere unter anderem als Zeichner an „Lilo & Stitch“ und „Bärenbrüder“ mitwirkte, ist es daher eine riesige Erleichterung, dass innerhalb der Walt Disney Animation Studios berufliche Langzeitbeziehungen entstehen: Dadurch, dass viele Kreative sehr lange in den Studios bleiben, und sich immer wieder begegnen, entweder weil sie am selben Projekt arbeiten oder in andere Projekte reinschnuppern, fällt diese komplexe Arbeit auf Dauer leichter. „Weil wir uns so gut kennen, vertrauen wir einander so sehr“, sagt er über den Rapport zwischen Disney-Veteraninen und -Veteranen. „Bereichert wird dies dann dadurch, dass wir immer wieder neue Leute in diesen Kreis der Vertrauten lassen, wie nun halt Charise.“

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Etwas schüchtern, etwas stolz auf ihre magische Familie, ein wenig eingeschüchtert: Mirabel Madrigal, der es an Zauber mangelt. © 2021 Disney. All Rights Reserved.

Der Faktor Lin-Manuel Miranda

Durch „Vaiana“ wurde auch „Hamilton“-Macher Lin-Manuel Miranda zu einem Teil der Disney- Familie. Und während Howard und Bush während „Zoomania“ beschlossen, gemeinsam ein Musical inszenieren zu müssen, befanden Bush und Miranda während ihrer Zusammenarbeit an „Vaiana“, dass sich ihre Wege erneut kreuzen sollten. So stand eine Offensichtlichkeit im Raum: Wieso nicht diese beiden Wünsche auf einmal erfüllen?

So kam es, dass Howard und Bush noch während ihrer Arbeit an „Zoomania“ nach London geflogen sind, um sich mit Miranda zu treffen, der dort zu jener Zeit „Mary Poppins’ Rückkehr“ drehte. Im Gespräch unter sechs Augen wurde man sich einig, dass man zum Dreierteam das nächste Projekt bestreiten will. Howard schwärmt: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass man so früh seinen Songwriter im Team hat. Doch es ist super, wenn es dazu kommt. Denn das Wissen, mit Miranda zusammenzuarbeiten, und sein Input von Anfang an, führten dazu, dass wir bereits in den frühen Stunden des Projekts eine Definition unserer musikalischen Erzählweise hatten.“

Bush wirft mit Nachdruck ein: „Es ist wichtig, zu verstehen: Lin war nicht einfach ‘nur’ unser Komponist und Texter für unsere Musicaleinlagen. Er war unser Schreibpartner, durch und durch.“ Als Beispiel nennt Bush eine von Miranda verfasste Bridge, die der Figur der Luisa neue Tiefe verliehen hat – und so logischerweise die Art änderte, wie das Filmteam die gesamte Story hinweg die nach außen hin so starke Madrigal-Schwester darstellt.

Charise Castro Smith ergänzt: „Was Lin so hervorragend beherrscht, ist jeder einzelnen Figur ein eigenes Thema, eine individuelle musikalische Identität zu verleihen. Und das ist ein sehr wertvoller Beitrag – unser Film hat zwölf zentrale Figuren, die je einen eigenen Handlungsbogen durchlaufen. Dass sie alle durch seine Musik eine so griffige Prägung erhalten haben, hat es uns überaus erleichtert, diese Figuren im Schreibprozess zu definieren, sie besser zu verstehen, und sie im Skript besser auszuarbeiten.“

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Ein kurzer Moment familiärer Harmonie. © 2021 Disney. All Rights Reserved.

Wo Musik ist, ist Tanz nicht fern

Bei einem Animationsmusical sind selbstredend nicht nur der logistische Tanz, den das Regieteam aufführen muss, und die Filmmusik von Belang – sondern auch die Frage, wie die Filmfiguren zur Musik tanzen werden. Weil sie jedem Mitglied der Madrigal-Familie eine klar definierte, eigene Persönlichkeit verleihen, und dabei sowohl der reichhaltigen tänzerischen Kultur Kolumbiens wie Lin-Manuel Mirandas Musik gerecht werden wollten, beschlossen die Kreativköpfe hinter „Encanto“, die Choreografie mit außerordentlicher Fürsorge zu gestalten.

Wie Kira Lehtmaki verrät, die gemeinsam mit Renato dos Anjos als Head of Animation für „Encanto“ zuständig ist, war das Betrachten des Storyboards für den Song „We Don’t Talk About Bruno“ ausschlaggebend dafür, wie intensiv die Arbeit an den Tanzszenen ausfallen sollte. Das Lied, in dem die Madrigal-Familie erklärt, weshalb besagter Bruno sich seine Position als schwarzes Schaf eingebrockt hat, ist zwar nicht die erste Gesangsnummer von „Encanto“. Doch das Storyboard stand für diese Szene früh fest – „und als wir es sahen, erkannten wir, dass es eine gigantische Nummer wird“, so Lehtmaki.

Laut Lehtmaki war dies der Beginn einer Reihe von Entscheidungen, die das Augenmerk auf die Tanzszenen im Film immer weiter eskalieren ließ. Weiter ging es damit, den berühmten Choreografen Jamal Sims ins Boot zu holen. Sims, der unter anderem an allen „Step Up“-Filmen mitwirkte sowie an Guy Ritchies „Aladdin“-Realverfilmung, „Descendants 3“ und zahlreichen Auftritten in der Talent-Realityshow „RuPaul’s Drag Race“, war bereit für eine Herausforderung – und die „Encanto“-Crew war bereit, früher als üblich Feedback bezüglich der Choreografien einzuholen. Wie Lehtmaki erklärt: „Wir haben bei Disney schon mit einigen brillanten Chreograf:innen zusammengearbeitet. Aber üblicherweise werden sie nur sehr gezielt für einzelne Sequenzen zu Rate gezogen und erst, nachdem das Layout und die Kameraführung einer Szene festgelegt wurden.“

Bei „Encanto“ lief es dagegen anders: „Wir haben Jamal glücklicherweise sehr früh herangezogen, und ihm nicht nur die Story Reel gezeigt, sondern über die Figuren gesprochen, und was sie bewegt. Von dort ausgehend haben wir ihm quasi freies Geleit gegeben, wie er das, was wir erzählen wollen, in einem Tanz erzählt.“ Jamal Sims wiederum nahm es sich zum Ziel, eine große Authentizität in die Tanzszenen zu legen, weshalb er Kai Martinez rekrutierte. Er arbeitete zuvor schon einmal mit der ursprünglich aus Kolumbien stammenden Tänzerin zusammen, und wollte dieses Mal mit ihrer Expertise dafür sorgen, dass der kolumbianische Stil und das dortige Temperament im Tanz angemessen repräsentiert werden.

Martinez erinnert sich freudig, wie es war, als ihr und Sims der grobe Entwurf der Musikeinlage vorgeführt wurde, von der ausgehend die Choreo entwickelt werden sollte: „Als wir die Figuren zum ersten Mal gesehen haben, waren wir hin und weg! Diese Schönheit diese Farben, diese Vielfalt von Schönheit, wir liebten einfach alles an ihnen!“ Sie ergänzt: „Jamal, ich und die Tänzer:innen, die wir dazugeholt haben – wir kommen aus dem Realfilm. Dass wir nun unsere ganze Vorstellungskraft nutzen mussten und durften, um auf Basis dieser bildschönen Storyboards unseren Tanz zu kreieren, gab uns immensen Freiraum.“

Kai Martinez beteuert, dass sich rasch zeigte, dass ihnen dieser Freiraum Spaß bereitete und die Aufgabe letztlich, aller Ungewohntheit zum Trotz, erleichterte. Sie schwört zudem, dass es „keine schwierige Figur gab – sie alle waren Herausforderungen, denen wir uns mit gleich großer Begeisterung gestellt haben.“ Jedoch muss sie einräumen, dass sie zwei Favoriten hat: Isabella, weil sie ihr physisch am ähnlichsten ist, „jedoch eine Primadonna“, und die ihr charakterlich ähnlichere Mirabel.

„Um die Figuren zu begreifen, tanzten wir nicht nur, sondern haben auch kleine schauspielerische Augenblicke entwickelt, in denen wir diese Figuren verkörpern. Das war eine riesige Freude“, so Martinez. Von diesen Ausgangspunkt aus entwickelte sich ein ständiges Hin und Her zwischen der Tanzcrew und dem Animationsteam, das sich zudem nach der „We Don’t Talk About Bruno“-Szene für die anderen Musicalpassagen wiederholte: Jede Choreo wurde innerhalb ungefähr je einer Woche entwickelt und zwecks Referenzmaterial für die Animationsabteilung gefilmt.

Verantwortlich dafür war Animation Supervisior und Tanz- sowie Musical-Liebhaber Michael Woodside: Aufgrund seines Vorwissens in diesem Bereich wurde er damit beauftragt, die Referenz-Tänze mehrmals in verschiedensten Set-ups und Einstellungen zu drehen, damit die Animatorinnen und Animatoren zum Beispiel mal den bestmöglichen Blick auf die Hände haben, mal auf die Füße oder darauf, wie sich die Röcke während eines bestimmten Tanzschritts wiegen.

Die Animationscrew interagierte wiederum mit dem Regie-Team, Kameramann Nathan Warner und dem Layout-Team, um die Szene zu planen. Die Ergebnisse wurden Kai Martinez, Jamal Sims und ihrer Dance Crew gezeigt. Sie gaben Feedback darüber, wie gut getroffen die Tanzbewegungen getroffen seien – und ob ihnen beim Anblick des Materials neue, genauere Ideen kamen. Der Tonfall war dabei gerührt und dankbar: „Als wir das Layout erstmals gesehen haben“, erklärt Martinez, „waren wir begeistert. Für uns war das alles neu und aufregend, wir haben sowas noch nie gesehen. Wir haben vor Rührung geweint, als wir das Layout gesehen haben. Wir haben uns gesehen, endlich repräsentiert gefühlt – wir haben uns in diesen Figuren gesehen. Wir haben uns bei Disney gesehen“, fasst Martinez mit gleichen Teilen Rührung und Freude in der Stimme zusammen. „Wir wussten von diesem Moment an: Diese Sache ist größer als wir!“

Eine der Ideen, auf die Martinez und Co. während dieser ausführlichen Feedbackphase kamen, betraf die Figur der Dolores, die die Fähigkeit eines hervorragenden Gehörs hat und deren Musikthema von Lin-Manuel Miranda eine Spur leiser geschrieben wurde als die Themen anderer Figuren. „Also kam uns der Gedanke: Wenn sie alles hört … so wird sie sicher ruhiger, bedachter sein und sich katzenartiger bewegen“, so Martinez. Das floss daher in das Finetuning ihrer Tanzschritte ein – und wie Lehtmaki ausführt, beeinflusste es, wie das restliche „Encanto“-Filmteam über Dolores dachte und Szenen rund um sie anging. Auch außerhalb ihrer Tanzsequenzen bekam Dolores einen leicht katzenhaften Gestus verpasst.

Dort enden die Überarbeitungen der ursprünglich entwickeltn Choreos jedoch nicht: Wann immer im Laufe des Produktionsprozesses die Geschichte oder eine Charakterisierung verändert wurde, kam es zwangsweise zu Veränderungen der Musikeinlagen. „Ich glaube, dass wir schlussendlich jede einzelne Tanzsequenz anpasssen mussten“, erinnert sich Martinez. „Das passiert halt in einem Musical: Gesang und Tanz sind ja dazu da, die Geschichte voranzutreiben. Und wenn sich die Geschichte ändert – dann ändern wir den Tanz“, strahlt sie. „Wir fanden es klasse, dass wir diese Chance bekommen haben! Wir fühlten uns echt mit dem Filmteam auf einer Augenhöhe und genossen es, dass wir unsere Tänze immer weiter anpassen konnten, um die Geschichte bestmöglich zu erzählen.“

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Die “We Don’t Talk About Bruno”-Szene in vier Entwicklungsphasen. © 2021 Disney. All Rights Reserved.

Rapport in Soundeffekten

Dass die Tanzcrew und das Animationsteam so hervorragend harmonierten und daher immer weiter gegenseitig anspornten, kommt nicht von ungefähr, wie Lehtmaki verrät: „Eine richtig coole Entdeckung, die wir gemacht haben: Kai sprach mit uns in Soundeffekten – ohne zu wissen, dass wir genau so sprechen, wann immer wir Animatior:innen Anmerkungen geben.“ Laut Lehtmaki ist der Gebrauch an „Wusch!“, „Bamm!“, „Peng!“, „Pamm!“ und Co. während der Pandemie sogar gestiegen, denn Dinge, die man früher erklärt hätte, indem man sich zusammen hinstellt und etwas gemeinsam spielt, mussten nun via Zoom geklärt werden – weshalb sich die Animationscrew noch stärker auf Soundeffekt-Vokabular verlassen musste, um ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen.

„Ja, es ist so beeindruckend, festzustellen, dass wir in vielen Dingen dieselbe Sprache sprechen“, ergänzt Martinez, und schiebt prompt eine Erklärung nach: „Im Tanz zählen wir, wenn wir eine Choreografie oder eine bestimmte Bewegung entwickeln – und die Animationscrew gab uns auch einen Takt vor. Aber wenn man sich richtig in die Musikalität oder den Moment hineinsteigert, durch das Storytelling, die Liedtexte und die Melodie … dann lebt man das voll aus.“ Martinez lächelt: „Und wie sich zeigte, kann man sich dann am besten ausdrücken mit Dingen wie: Wusch! Shuuu! Wusch-shuu!“

Was Martinez schwärmen lässt, ist die Leichtigkeit, mit der beide Seiten das oft soundeffektlastige Feedback aufgenommen haben: „Zwischen der Animation und uns vom Tanz herrschte immenser gegenseitiger Respekt, weil wir jeweils früh erkannt haben, dass wir alle detailversessen sind. Wenn die Animator:innen Anmerkungen für uns hatten, haben wir die mit Freude umgesetzt. Und genauso einfach war es für uns, ihnen Feedback zu geben. Wenn ich zum Beispiel beim Sichten einer Tricksequenz meinte, dass die linke Schulter etwas runter, die rechte dagegen weiter nach oben muss und beide etwas anders angewinkelt werden müssen – dann kam zurück: ‘Ja, klar!’“

Begeistert führt sie fort: „Wir verstanden uns blendend, waren jeweils von der Arbeit der Gegenseite überzeugt – und daher haben wir auch mit munterem Tatendrang auf Verbesserungsvorschläge des jeweils anderen gehört!“

Ihr könnt die wunderbaren Tänze in „Encanto“ ab dem 24. November 2021 auf der großen Leinwand erleben – und bevor es so weit ist, werden wir euch in einem weiteren Artikel noch mehr Einblicke in Disneys Jubiläumsfilm bescheren.

2 Antworten auf „Interview: Tänzerisches „Encanto“: Wie Disney den richtigen Takt gefunden hat“

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