Film Review: Alles steht Kopf

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Dieser Beitrag stammt von unserer Redakteurin Spliz.

Die Story

“Was mag in ihrem Kopf vorgehen?”, ist eine Frage, die man sich oft stellt, wenn man jemanden anguckt und die Räder im Kopf praktisch arbeiten sehen kann. Alles Steht Kopf erklärt auf eine einfache Weise, wie unser Gehirn arbeitet.

Zu Beginn gab es für Riley nur Freude – etwa 33 Sekunden lang. Rasch tauchte Kummer auf und brachte den kleinen Säugling zum weinen. Es dauerte nicht lange, bis sich auch Wut, Angst und Ekel hinzugesellten. Zu fünft hausen die Emotionen in Riley’s Hypothalamus und kontrollieren ihre Reaktionen und steuern ihre Handlungen. Alles läuft gut soweit für das kleine, immer glückliche Mädchen, bis eines Tages versehentlich die Kernerinnerungen von Riley gemeinsam mit Freude und Kummer aus dem Hauptquartier gespült werden und im Langzeitgedächtnis stranden. Während Wut, Angst und Ekel nun vor der schwierigen Aufgabe stehen, Riley ohne die Unterstützung von Freude bei Laune zu halten, müssen Freude und Kummer einen Weg zurück finden, bevor alles was dem Mädchen wichtig ist in Vergessenheit gerät.

Während die Geschichte auf Seiten von Freude und Kummer abenteuerreich und stellenweise gefährlich ist, haben Wut, Angst und Ekel schwer damit zu kämpfen, alles Normal zu halten. Denn was wird auf einmal aus einem immer glücklichen elf-jährigem Mädchen, das plötzlich keine Freude mehr besitzt und deren wichtigste Kernerinnerungen verschollen sind? Wir erleben bei Riley das klassische Bild eines Kindes, das durch einen Umzug allmählich alles verliert, was ihr wichtig ist.

Die Emotionen

Man muss sich die Emotionen als die Stimmen in unserem Kopf vorstellen. Anstelle des meist gewählten Bildes von “Gut” und “Böse”, haben wir hier die Freude, Kummer, Wut, Angst und Ekel die zu uns sprechen und uns von Dingen abhalten oder uns zu Taten ermutigen wollen. Sie haben alle dieselbe Absicht: Sicherheit und Zufriedenheit, lediglich ihre Wege, dies zu erreichen, sind äußerst unterschiedlich.

Freude
Freude ist gut gelaunt, solange Riley gut gelaunt ist. Sie ist stehts optimistisch und ihr ist nur eines wichtig; dass Riley glücklich ist und bleibt. Sie ist de facto die Anführerin der fünf Emotionen und steuert die meisten von Rileys Handlungen oder übernimmt die Nachtschichten in denen Rileys Träume überwacht werden.

Kummer
Niemand weiß so recht, was die Aufgabe von Kummer ist. Sie wäre gerne optimistischer und möchte ebenso wie Freude, dass Riley glücklich ist, schafft es jedoch einfach nicht positiv zu sein. Oft sieht sie nur das Negative und wirkt in vielen Szenen als wäre sie nicht bloß einfach traurig, sondern regelrecht depressiv.

Wut
Wut ist voll und ganz für Gerechtigkeit. Ihm ist wichtig, dass Riley stehts fair behandelt wird. Sollte etwas passieren, was ihm nicht gefällt oder nicht seinen Plänen entspricht, geht er buchstäblich in regelrechter Hades-Manier in Flammen auf und ist nur schwer wieder von den anderen Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Er hat ein sehr starkes Temperament und einen sehr kurzen Gedultsfaden.

Angst
Angst achtet stehts darauf, Riley in Sicherheit zu wiegen. Er kalkuliert potenzielle Risiken und Gefahren, um die Chance auf Katastrophen so gering wie nur möglich zu halten. Für ihn lauert die Gefahr jedoch hinter jeder Ecke, wodurch selbst Kleinigkeiten in seinen Gefahrenkatalog aufgenommen werden.

Ekel
Ekel hat eine Meinung zu allem und über alles. Sie ist stehts ehrlich und direkt und achtet darauf, dass Riley weder körperlich noch mental vergiftet wird. Sie ist allem und jedem skeptisch gegenüber und möchte im Grunde einfach nur, dass Riley sicher ist, hat jedoch sehr hohe Standards, wodurch selbst Brokkoli auf die verbotene Liste für Rileys Magen gelangt.

Das Gehirn

Der Großteil des Filmes spielt sich in Riley’s Gehirn ab, welches natürlich viele Orte beinhaltet, hier einmal die wichtigsten:

Hauptquartier
Das Hauptquartier ist das Kontrollzentrum, wo die fünf Emotionen leben und ihrer Arbeit nachgehen. Von hier aus werden Rileys Handlungen kontrolliert, außerdem werden hier ihre Kurzzeit- und Kernerinnerungen gelagert. Das Hauptquartier basiert auf der Form des Hypothalamus, dem kognitiven Zentrum des Verstands.

Langzeitgedächtnis
Das Langzeitgedächtnis ist die Lagerhalle des Gehirns, in welchem alle wichtigen Langzeiterinnerungen untergebracht sind. Jede Nacht, wenn Riley schläft, schicken die Emotionen alle Erinnerungen in das Langzeitgedächtnis. Gedankenarbeiter sorgen in der Lagerhalle für Ordnung und überprüfen, ob die Erinnerungen wirklich relevant genug sind, um im Langzeitgedächtnis untergebracht zu werden, oder ob sie, wie alte Telefonnummern, auf die Erinnerungsdeponie gebracht werden können. Der Aufbau der Regale, in denen die Erinnerungen Lagern, erinnert stark an das Aussehen des Hirnmantels.

Traum Studios
In den Traum Studios gehen Regisseure und Schauspieler mit Kostümen, Kamera und Realitätsfilter ihrer Arbeit nach. Nacht für Nacht produzieren die Mitarbeiter die Träume von Riley basierend auf ihren täglichen Erlebnissen, Wünschen und Ängsten.

Unterbewusstsein

Das Unterbewusstsein ist das Verlies von Riley’s Gehirn. In der dunklen unterirdischen und von Sicherheitsbeamten bewachten Höhle, die an einen Horrorfilm erinnert, hausen ihre größten Ängste und Verursacher ihrer schlimmsten Albträume.

Persönlichkeitsinseln
Die Inseln entstehen mit jeder Kernerinnerung und spiegeln die wichtigsten Aspekte von Rileys Persönlichkeit wieder. Die Inseln sind jedoch nur aktiv, wenn auch die Kernerinnerungen an ihrem Platz sind. Fehlen die Kernerinnerungen, verändert sich auch Rileys Persönlichkeit.

Erinnerungsdeponie
Auf der Erinnerungsdeponie landet alles, was von den Gedankenarbeitern als nicht mehr wichtig eingestuft wird. Die Deponie ist riesig, scheinbar endlos und fast ausschließlich gefüllt mit verblassenden Erinnerungen. Für alles, was in diesem trostlosen Ort landet, gibt es kein Zurück mehr.

Mein Fazit

Mit Alles Steht Kopf haben Produzent Lonas Rivera (Oben) und Regisseur Pete Docter (Oben, Die Monster AG) ein neues Meisterwerk geschaffen, das in Story, Design, Humor und Musik, komponiert von Michael Giacchino (Oben, Die Unglaublichen, Ratatouille), überzeugt, wie auch die bisherigen Kassenzahlen bestätigen. In den USA ist der Film bereits am 19. Juni gestartet und hat innerhalb der ersten Woche sagenhafte $91,1 Mio. einnehmen können. Das ist der beste Kinostart, den Pixar je verzeichnen konnte. Der Film bietet eine erstaunliche Tiefe im Bereich der menschlichen (insbesondere Kindes-) Psychologie, die vermutlich an der eigentlichen Zielgruppe vollständig vorbeigeht, für die Erwachsenen im Kino dafür aber umso interessanter ist.

Alles Steht Kopf ist meiner Meinung nach definitiv ein Film, der sich gelohnt hat. Er bietet äußerst viele humorvolle Szenen, hat mich stellenweise aber auch zum weinen gebracht und zeigt einige Szenen auf, bei denen man einfach nur lachen kann, weil sie einen so sehr an einen selbst erinnern. Der Einblick in das Gehirn ist außerdem eine äußerst interessante “Theorie” bzw. eine tolle Veranschaulichung davon, wie unser Gehirn arbeitet und was passiert, wenn sich bestimmte unserer Emotionen auf einmal gänzlich abschalten.

Ich kann jedem nur raten, sich diesen Film anzusehen und werde ihn definitiv auf meine Blu-Rays-Einkaufsliste setzen.

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