Into the Unknown: eine Reise ins Unbekannte und wie sich herausstellt ein perfekt passender Originaltitel für das Making of zu „Die Eiskönigin II“. Die Entstehungsserie, die ab Freitag auf Disney+ mit sechs Episoden anläuft, zeigt einen stellenweise sehr ehrlichen Einblick in die Produktion eines Films mit extremen Erwartungen von Fans, Kritikern und dem Studio.
Tatsächlich ist dies nicht das erste Disney+ Projekt, das Fans geliebter Franchises hinter die Kulissen führt. Doch konträr zu „Disney Galerie: The Mandalorian“ sind die Episoden nicht thematisch separiert sondern führen (mehr oder weniger) chronologisch durch den Prozess. Etwas schade ist, dass diese Erzählung ein Jahr vor Kinostart beginnt. Zwar wird dem Zuschauer klar gemacht, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine finale Animation vorliegt und auch die meisten Songs weder geschrieben noch finalisiert sind, doch hat die Produktion natürlich schon deutlich früher begonnen. Dieser Part bleibt uns daher verborgen und damit auch der Großteil der Story-Entwicklung oder Fragen wie „Wann hat das Sequel grünes Licht bekommen?“, „Welche Geschichte wollte man erzählen?“ und „Wie stark distanziert ist das finale Produkt von der ursprünglichen Vision?“.

Noch viel zu erledigen
Die großen Themen, die im November 2018 (laut den ersten drei Episoden) auf dem Tisch lagen, waren Animation, Songs und die Story – also die wichtigsten Eckpunkte für ein episches Animationsmusical? Es liegen zu diesem Zeitpunkt viele Puzzleteile auf dem Boden, Ideen, Lieder und andere Elemente werden verworfen und neu erfunden, doch der Eindruck entsteht, dass sich das Team selbst auf einer Reise „Into the Unknown“ befindet und eine klare Vision für „Frozen II“ fehlt.

Und vielleicht ist das auch der Grund, wieso mich persönlich „Die Eiskönigin II“ nicht vollkommen packen und begeistern konnte. Wichtige Momente im Film wirkten zwar wunderschön und wurden von Weltklasse-Songs begleitet, doch die Bedeutung von Szenen wie „Show Yourself“ oder die Offenbarung der mysteriösen Stimme, die Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sein sollte, ist verwirrend und nicht klar. Den Grund dafür liefert die Doku: Dies waren Last-Minute-Entscheidungen. Der gesamte Film wurde mit der Unwissenheit aufgebaut, wer oder was die Stimme denn nun ist: Elsa selbst? Ihre Magie? Die Gletscher? Letztendlich war es Königin Iduna, Elsas Mutter. Ob mit der umstrittenen Entscheidung alle im Produktionsteam zufrieden waren, wird leider ausgeblendet.

Wie eine Fliege an der Wand
Unabhängig davon ist diese unscripted documentation offen und ehrlich wo sie darf. Wir werden nicht nur in das Top-Secret-„Kein Zutritt unter jeglichen Umständen“-Area-51-Style Roy E. Disney Animation Building (seht euch dazu auch unsere exklusive Tour durch die Walt Disney Animation Studios an) eingeladen, sondern auch in die privaten Wohnräume des Songschreiber-Ehepaar der Lopez’ in New York City. Eindrücke der Forschungsreise nach Skandinavien sind ebenso zu sehen wie einige emotionale Momente: Chris Buck, Regisseur beider „Frozen“-Filme, erzählt von einem persönlichem Verlust, der nahe geht und neue Verbindungen zum Streifen aufzeigen.
Diese Offenheit hat jedoch nicht nur einen positiven Effekt. Als Protagonisten kann man neben Buck auch seine Regiepartnerin (und Studio-Chefin) Jennifer Lee ansehen – welche mir im Laufe der Zeit immer unsympathischer wurde. Das mag persönliches Empfinden sein, welches nichts mit der Bewertung der Dokumentation oder des Films zu tun hat, jedoch zeigt es sehr lobenswert auf, das man (bewusst oder nicht) auch bereit war, Risiken einzugehen. Davon profitiert das Projekt.
Natürlich werden hier und da auch die Schauspieler in die Serie einbezogen, die den Figuren im Original ihre Stimmen leihen. Idina Menzel (Elsa), Kristen Bell (Anna), Josh Gad (Olaf) und Jonathan Groff (Kristoff) erzählen auch von ihren Erfahrungen und Einflüssen auf das Endprodukt und dürfen von Fans auch bei den Aufnahmen ihrer Songs beobachtet werden.
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- Wertvolle Extrazeit: Nutze die Parks, bevor der Ansturm beginnt (Extra Magic Time).
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Fazit
Gefühlt besteht die Doku aus mehr oder weniger 75% echten, authentischen Szenen und Einblicken während der Rest eher als forcierte Interviews abgestempelt werden kann. Letztere bekommen wir oft genug zu sehen; Ersteres heutzutage leider seltener und seltener. Dies macht den Ansatz der Serie sehr lobenswert, wobei die Frage bleibt, was wir nicht zu sehen bekommen. Daher lässt sich der Gefühlsstil des Projekt am Ehesten als eine Heirat zwischen klassischem DVD Making-of und persönlichem Tagebuch beschreiben.
Bonus für eingefleischte Disney-Enthusiasten:
Wer genau hinsieht, erhascht in der zweiten Episode einen ersten Blick auf ein unveröffentlichtes Poster zum nächsten Animationsfilm „Raya und der letzte Drache“ (Raya and the Last Dragon). Ein Leak oder beabsichtigt? Ihr entscheidet!

„Wo noch niemand war: Das Making-of von Disneys ‚Die Eiskönigin 2’“ ist ab dem 26. Juni 2020 exklusiv auf Disney+ verfügbar. Alle sechs Episoden werden zeitgleich veröffentlicht.

Als Chef-Redakteur und Gründer von DisneyCentral.de lebt Matthias seinen Disney-Traum bereits seit Kindertagen. Er hat nicht nur weltweit alle Disney Parks besucht, sondern blickt auch auf eine einzigartige Karriere hinter den Kulissen zurück: Matthias arbeitete als Cast Member in Disneyland Paris sowie im Cultural Representative Program (CRP) in Walt Disney World, Florida. Zudem erhielt er exklusive Einblicke direkt in den Walt Disney Studios in Burbank.
Der studierte Medien-Experte verbindet seit der Gründung des Portals im Jahr 2006 journalistische Professionalität mit echter Insider-Expertise. Wenn er nicht gerade über die neuesten Disney+ Highlights berichtet oder als passionierter KINGDOM HEARTS Fan die Schlüsselschwert-Kriege analysiert, dient ihm das Lebenswerk von Walt Disney als tägliche Inspiration.
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