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  • "Baymax - Riesiges Robowabohu" ist ab dem 22. Januar in Deutschland zu sehen. Heute hatte ich das Vergnügen und durfte den Film schon vorab sehen. Die Erfahrung möchte ich mit euch teilen und euch meine Meinung zum Film schildern. ACHTUNG: In dieser Rezension gibt es SPOILER! Eine SPOILERFREIE Rezension wird von Spliz folgen, eine weitere Version die nächsten Tage von Selena.
    Zusammen mit Spliz hatte ich am Montag die Gelegenheit, schon zwei Monate vor Kinostart Disneys nächstes Meisterwerk zu sehen: „Baymax – Riesiges Robowabohu“ (Big Hero 6). In diesem Artikel möchte ich ausdrücklich vor Spoilern warnen! Das Review von Spliz wird ohne Spoiler daher kommen. Überlegt euch also, ob ich jetzt schon Details über den Film erfahren wollt oder nicht!








    Man muss schon sagen: Die Titelgebung des Films ist verwirrend. Im Original steht das gesamte Team, die Big Hero 6, im Vordergrund. Im Deutschen geht es einzig und allein um Roboter Baymax. Dieser ist eindeutig der Star des Films, aber im Grunde wäre der ideale Filmtitel: „Hiro und Baymax“. Denn nur von diesen beiden erfährt man wirklich etwas, die anderen vier sind einfach nur anwesend. Und dann auch mal wieder nicht oder doch. Auf den Film wirkt sich das leider nicht wirklich aus.

    Aber eins nach dem Anderen. Die Story beginnt in den dunklen Straßen von San Fransokyo der nahen Zukunft. Die Stadt ist im Grunde San Francisco, hat aber erheblichen Touch durch Tokyo bekommen, wo die ursprüngliche Geschichte der (unbekannten) Marvel-Comics spielt.
    Wir lernen den süßen, putzigen Jungen Hiro kennen. Der aber gar nicht so süß und putzig ist wie er aussieht. Er hat’s faustdick hinter den Ohren und ist ein absolutes Genie wenn es um Roboter jeglicher Art geht. Zusammen mit seinem Bruder Tadashi bildet er ein großartiges Team, auch wenn die beiden sich nicht immer einig sind. Die beiden Brüder haben schon früh ihre Eltern verloren. Hiro war damals drei und hat davon nicht viel mitbekommen. Vom plötzlichen Tod seines Bruders bekommt er aber umso mehr mit. Durch Zufall, Trauer und Baymax kommt Hiro einem üblen Schurken auf die Schliche, der Hiros Robotertechnik gestohlen hat. Mit den „Microbots“ kann Yokai, der Schurke mit der Kabuki-Maske, erschaffen was er möchte. Egal ob Transportmittel oder lebensgefährliche Waffe. Mit seinen Gedanken kann er tausende kleine Roboter zu dem Formen, was er will.
    Kommen wir aber zum Star des Films: Baymax. Er wurde von Tadashi gebaut, um Menschen zu heilen. Er ist ein gutmütiger und naiver Roboter, der nur diese eine Programmierung kennt. Als Hiro aber die Gefahr erkennt, rüstet er Baymax mit Kampftechniken auf. Direkt danach folgt er selbst sowie die besten Freunde seines toten Bruders, die nun zu seinen besten Freunden werden – neben Baymax natürlich. GoGo Tomago, Honey Lemon, Wasabi und Fred sind allesamt Robotergenies (oder im Falle von Fred kreative Comicfans) und schließen sich Hiros Mission an.
    Ihre jeweiligen Forschungen werden dank Hiro und einem tollen (aber auch einzigen) Song im Film zu ihren Superkräften:



    Sie taugen zwar nicht direkt als „Avengers“, machen aber eine wichtige Entdeckung. Hinter der Kabuki-Maske versteckt sich der Professor, den Tadashi bei einem Feuer retten wollte. Dieser konnte sich dank Hiros Robotern (und der vorherigen Vorstellung dieser) vor der Explosion retten. Seit längerer Zeit ist Callaghan auf Rache aus, weil er seine Tochter bei einem Teleportationsexperiment verlor.
    Die Big Hero 6 können ihn dank einiger Übung und einem „anderen Blickwinkel“ aber besiegen und Hiro und Baymax können sogar die Tochter retten, nachdem Callaghan die Stadt mit einem großen Portal ins Nichts angegriffen hat.

    Der Film ist letztlich als Vieles zu bewerten, aber nicht als Disneys erster Marvel-Film. Sicherlich bringen beide Firmen das ein, was sie am besten können - Disney das unglaubliche Erzähltalent sowie immer noch einen Hauch Magie und Marvel eine Top Charakterstruktur – aber dieser Mix macht das Genre doch komplizierter. Letztendlich ist der Film am meisten eine Komödie. Es sind aber auch einige Action-Sequenzen dabei und viele Familienfilm-Momente. Man kann also vieles tun, sollte den Film aber in keine Schublade stecken.
    Mit Hiro gibt es einen sympathischen Protagonisten, zu dem man schnell und leicht eine Beziehung aufbauen kann. Baymax ist auf den ersten Blick zwar etwas bizarr, aber man freundet sich auch sehr schnell mit ihm an. Denn sobald er auftritt stiehlt der Roboter allen anderen die Show. Egal was er macht, er hat ständig den Witz auf seiner Seite. Warum? Weil er einfach unbeholfen ist. Er kennt unsere Welt nicht und kann Situationen nicht einschätzen. Darum rennt er auch nicht vor dem Schurken weg wie Hiro, er geht langsam davon. Eine (zugegeben sehr dicke) Katze hat er leider auch noch nicht gesehen („haariges Baby“) und selbst Möbel werden zu einem großen Problem. Man kann also wirklich sagen: der Witz begleitet uns durch den kompletten Film und ist allgegenwertig.
    Ob das etwas Gutes ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Es hängt sicherlich von den Erwartungen ab. Ich für meinen Teil habe mir mehr Action erwartet, bin ich aber auch momentan im Marvel-Fieber. Natürlich muss man immer das Zielpublikum im Auge behalten und es gab auch einige tolle Action-Szenen. Was mich aber gestört hat: Die besten Action-Szenen werden durch die ständigen Witze gestört – so lustig sie auch sein mögen.
    Die Story selbst ist dementsprechend. Einerseits dramatisch, andererseits aber auch flach. Das Potenzial ist definitiv da, aber es wird nicht ausgenutzt. Allein vor dem Schurken mit seiner Maske hätte ich Angst haben können. Aber bis auf sein Aussehen war an ihm nichts gruselig. Durch Schnitte auf die witzigen Helden wurde die Spannung getötet. Man hat zwar immer ein bisschen im Hintergrund überlegt, wer der Schurke sein kann und der Film konnte einen auch erfolgreich auf die falsche Fährte führen, aber bei mir kam nicht das Gefühl auf, dass ich unbedingt wissen musste, wer es ist. Letztendlich hatte ich doch recht bei dem Bösewicht, meine Theorie wurde nur zwischenzeitlich durch den scheinbaren Tod von Callaghan erschüttert.
    Was auch enttäuschend an der Story war, habe ich bereits angeschnitten: Vier der titelgebenden Gruppe sind Nebendarsteller. Und das obwohl die gesamte Truppe ziemlich cool ist. Wie viele Fans werden sich wohl in die extrem coole GoGo vergucken? Oder können sich mit Fanboy Fred identifizieren? Die Charaktere an sich sind nämlich große Klasse, aber sie werden kaum benutzt. Sie sind da und motivieren Hiro, sich an der Uni zu bewerben. Dann tauchen sie dank Baymax auf, um Hiro zu trösten. Und ohne große Probleme beschließen sie auch von jetzt auf gleich, dass sie Superhelden sein wollen und Hiro blind folgen. An der Stelle hätte ich mir mehr Charakterentwicklung gewünscht. Denn Hiro und Baymax verändern sich. Die anderen vier tun es nicht wirklich. Wie gesagt: Sie sind einfach da… oder eben auch nicht. Ihre Anwesenheit hat nüchtern betrachtet keinen Einfluss auf den Film. Außer vielleicht in einer Szene, in der Hiro aus Wut Baymax zur reinen Kampfmaschine umprogrammiert und sie ihn aufhalten und es rückgängig machen. Aber im Finale selbst werden sie gefangen und kämpfen sich frei. Aber helfen tut eigentlich nur Baymax.



    Das sind Punkte, die mich – leider – an dem Film stören. Unabhängig davon konnte ich ihn aber auch sehr genießen. Während des gesamten Films war die Stimmung im Saal gut. Über die Witze wurde oft gelacht, denn die waren wirklich gut. Umgeben waren wir ausschließlich von Pressevertretern und Kritikern. Gefühlt würde ich sagen wir waren die jüngsten im Kino, das Alter ging jedoch bestimmt bis 60-70. Auch diese Herrschaften hatten anscheinend Spaß dran, denn niemand ist vor Filmende gegangen. Und bis auf wenige Ausnahmen haben auch alle brav bis nach dem Abspann in den Stühlen gesessen. Über den Film hinweg ist aber Spannung wohl bei niemandem aufgetaucht. Dafür gab es eine emotionale Story über das Erwachsenwerden, Verantwortung, Familie und Freundschaft.
    Aus technischer Sicht war der Film ein Highlight. Tolle Animation! Die Eröffnungsszene mit dem Rundgang durch San Fransokyo bringt eine tolle Stimmung mit sich, alles wirkt sehr lebendig. Die Figuren bewegen sich flüssig und selbst die Komparsen sehen gut aus. Disney hat 670 verschiedene Figuren in diesem Film untergebracht. Das ist absoluter Rekord, hatte „Die Eiskönigin“ letztes Jahr erst einen Rekord bei 270 Personen gesetzt.
    Was die Musik betrifft, bin ich ebenfalls begeistert. Diese war ähnlich wie der 3D-Effekt: Man hat bei beidem nur selten bemerkt, dass sie dabei sind. Das macht eine gute Umsetzung meiner Meinung nach aus. Die Musik verschwand im Hintergrund, zauberte aber eine tolle Stimmung hervor. In wichtigen Momenten hat man dann japanische Electro-Musik wahrgenommen und damit ein Highlight für sich entdeckt. Beim 3D hatte man durchgehende Tiefenschärfe, was einen in den Film versetzt. Aber ab und zu gab es dann doch Pop-Up Effekte, wodurch man erst wieder gemerkt hat, dass man eine Brille aufgesetzt hat.

    Zusammengefasst hätte ich mir gewünscht, dass Disney in den letzten zwei Monaten vor Kino-Release in Deutschland den Film noch perfektioniert was Charaktere und Dramaturgie angeht. Aber leider war der US-Start bereits vor wenigen Tagen. Der Film befindet sich also im Endzustand.
    In diesen letzten Sätzen habt ihr bestimmt bemerkt, dass ich mir mehr für „Baymax“ erhofft habe. Das stimmt. Aber ich hatte trotzdem großen Spaß und würde den Film liebend gerne bald wieder sehen. Ich hatte etwas anderes erwartet. Aber wenn man sich darauf einlässt, verbringt man eine tolle Zeit mit dem Film und hat dann doch noch ein wahres Disney-Marvel-Meisterwerk gesehen.
    Daran hat einen auch die Szene nach dem Abspann erinnert. Wir sehen Fred und wir sehen eine neue, aber irgendwie vertraute Figur. Marvel-Schöpfer Stan Lee hat es auch in diesen Marvel-Film geschafft und entpuppt sich als Freds Vater und lässt einen mit einem ganz besonderen Gefühl wieder in die helle Welt des Alltags gehen.



    Eine Nachricht noch zum Schluss. Wie Disney heute verkündet, lief das erste Wochenende in Amerika klasse für den Film:

    Mit fulminanten 56,2 Millionen US-Dollar Einspielergebnis ist BAYMAX – RIESIGES ROBOWABOHU der neue Hit an den US-Kinokassen! Das witzige und actiongeladene Animations-Abenteuer um den tollpatschigen Pflege-Roboter Baymax und Technik-Genie Hiro überzeugt Kritiker und Publikum gleichermaßen und katapultierte sich direkt an die Spitze der US-Kinocharts. Nach dem grandiosen Erfolg von DIE EISKÖNIGIN – VÖLLIG UNVERFROREN im vergangenen Jahr räumt auch das neue Animationsabenteuer aus den Disney Animation Studios kräftig ab.

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