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  • Wie viele Academy Awards konnte das Maus-Haus in diesem Jahr für sich verbuchen?
    In der Nacht zu Montag fand die 88. Verleihung der Academy Awards im Dolby Theater in Los Angeles statt. Für Disney war sie dieses Jahr nicht besonders einträglich.
    Obwohl es inzwischen gar nicht mehr so einfach zu definieren ist, was noch als "Disneyfilm" gilt und was nicht. Abgesehen von den vielen Studiozukäufen werden auch die "hauseigenen" Produktionen inzwischen hauptsächlich von kleinen, unabhängigen Firmen produziert. Manchmal handelt es sich dabei um produzenteneigene Produktionsgesellschaften wie die von Jerry Bruckheimer, die für Disney jahrelang Hits produzierte; manchmal sind es hingegen bloß Briefkastenfirmen, die von verschiedenen Investoren zur Finanzierung eines bestimmten Films geschaffen werden und sich danach wieder auflösen. Eine Produktion letzterer Art ist das Live-Action-Remake von "Cinderella", der daher noch am ehesten noch als "richtiger Disneyfilm" durchgeht und in der Kategorie "Bestes Kostümdesign" nominiert war. Obwohl Sandy Powell, die sich für die aufwendigen Kleider des Films verantwortlich zeichnete, gleichzeitg auch noch für den Film "Carol" nominiert war, musste sie mit leeren Händen nach Hause geben und sich gegen Jenny Beavens Kostüme für "Mad Max: Fury Road" geschlagen geben; ein Actionfilm, der gerade wegen dieses oscar-untypischen Genres zum großen Überraschungserfolg des Abends wurde (insgesamt 6 Auszeichnungen).

    Aus der Reihe der zugekauften Studios konnte einzig Pixar mit "Alles steht Kopf" als "Bestem Animationsfilm" auftrumphen, was trotz der vielgerühmten Qualitäten des Films angesichts der starken Konkurrenz durch den mit Figuren aus einem 3D-Drucker erstellten Film "Anomalisa" als große Leistung zu werten ist. Vielleicht war der als konservativ geltenden Jury ein "Erwachsenen-Animationsfilm" aber auch einfach zu fremd. Trotzdem wird wohl niemand, der "Inside Out" gesehen hat, bezweifeln, dass sich Pete Docter und sein Team aus Emeryville den Goldjungen verdient haben. In der für einen Animationsfilm ungewöhnlichen Kategorie "Bestes Original-Drehbuch" mussten sie sich allerdings gegen "Best-Picture"-Gewinner "Spotlight" geschlagen geben. Lucasfilms "Krieg der Sterne Episode VII: Das Erwachen der Macht" war in 5 Kategorien nominiert (Schnitt, Filmmusik, Ton, Tonschnitt und Effekte), ging allerdings gänzlich leer aus.

    Eine kleine Überraschung war die Nominierung einer internationalen Koproduktion an der sich Disney durch seinen schwedischen Ableger beteiligte: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" war für "Bestes Make-Up und Hairstyling" nominiert. Normalerweise beteiligt sich Disney international, wie zuletzt an "Die wilden Kerle", an wenig oscar-verdächtigen Produktionen. Vielleicht setzt hier ein Umdenken ein, so wie es immerhin auch die Academy geschafft hat, diesen Film nicht in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" zu nomieren, die ausländischen Produktionen normalerweise vorbehalten ist.

    Die größten Chancen hatte in diesem Jahr allerdings nur ein von Disney lediglich vertriebener Film, nämlich die DreamWorks-Produktion "Bridge of Spies: Der Unterhändler". Der Steven-Spielberg-Film war nominiert für den "Besten Film", die "Beste Filmmusik" (Thomas Newman), den "Besten Ton", die "Beste Ausstattung" und das "Beste Originaldrehbuch", das von niemand geringerem als den Coen-Brüdern stammte ("Fargo", "The Big Lebowski", "No Country for Old Men"). Gewinnen konnte allerdings lediglich Mark Rylance als "Bester Nebendarsteller". So kann die ungewöhnliche Kooperation zwischen dem Disney-Studio und dem ehemaligen Erzkonkurrenten DreamWorks nach einer Serie von Flops wenigstens noch einen kleinen Achtungserfolg erzielen. In Deutschland wird der Film übrigens von 20th Century Fox vertrieben - also nicht wundern ;)

    Insgesamt war es in diesem Jahr eine eher magere Ausbeute für Disney, auch wenn das Maus-Haus nie zu den großen Favoriten zählt. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der öffentlichen Wahrnehmung jedoch ohnehin nicht auf den Filmen, sondern auf einem anderen Thema: Die veranstaltende "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" war in heftige Kritik geraten, weil in diesem Jahr kein Afroamerikaner nominiert war. Unabhängig davon, worin man die Gründe dafür sieht, wird man zugestehen müssen, dass die Unterrepräsentation von afroamerikanischen Filmschaffenden eine lange Geschichte bei den Oscars hat: Bereits Walt Disney persönlich ärgerte sich in den 1940er-Jahren darüber, einer Zeit in der es ihnen fast unmöglich war eine Auszeichnung zu erhalten (lediglich Hattie McDaniel hatte 1939 einen für "Vom Winde verweht" bekommen). Er machte schließlich erfolgreich seinen Einfluss in Hollywood gelten, um "seinem" Star, dem die Titelrolle in "Onkel Remus' Wunderland" verkörperndem James Baskett, wenigstens einen nicht-kompetitiven "Ehren-Oscar" zuteil werden zu lassen. Schade, dass sich das Disney-Unternehmen heute für diesen Film schämt.

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